1.0 Einführung ins Thema „Alterssicherung“

Das Thema “Alterssicherung” ist derzeit neben den aktuellen geopolitischen Themen ein von vielen heißt diskutiertes Thema. Es gibt nicht nur die RUV- Versicherung auch FinanceScout hat sich diesem Thema durch Befragungen gewidmet. Einen Satz von FinanceScout sollte man hier als Einleitung vorstellen: “Zwar meint über die Hälfte (54 Prozent) der 1.036 Befragten, dass sie auch im Rentenalter ausreichend Geld zur Verfügung haben werden, um ihren Lebensstandard finanzieren zu können. Aber nur jeder Zehnte (9 Prozent) ist der Überzeugung, dass dafür die gesetzliche Rente ausreicht.“. Es ist erschütternd zu erleben, dass Millionen älterer Leute mit offenen Augen ins Unglück rennen: “die Hälfte (54 Prozent) der 1.036 Befragten, dass sie auch im Rentenalter ausreichend Geld zur Verfügung haben werden”. Woher wissen diese das? Haben sie gerechnet? Kennen sie die Kostenentwicklung der nächsten 25 Jahre? Kennen sie die Zinsentwicklung der nächsten 25 Jahre? Wie stabil ist dieses Währungs- und Finanzsystem, dass diese Bürger antworten können, sie seien der Meinung dass …? Wie stabil ist die Weltwirtschaft? Wie stabil ist die Geopolitik? Wie stabil ist die Gesellschaftspolitik? Werden wir in 25 Jahren noch unsere heutige Demokratie haben und wenn nein, welche Veränderungen sind zu erwarten? Solche und ähnliche Fragen finden sich zum Beispiel in dem Forum talk50plus.de, in dem besonders intensiv diskutiert und sicherlich auch gestritten wird.
Zu der politischen kommt noch die mediale Hilflosigkeit, die RT Deutsch beschreibt: “Statt sich der sichtbaren Not anzunehmen, verliert sich die Diskussion allzu oft in abstrakten Fragestellungen wie „Was ist Armut?“ und „Wie misst man sie?“

Das Thema „Alterssicherung“ nur aus der finanziellen Sicht zu betrachten, ist eindeutig zu dürftig, weil das Thema Alterssicherung deutlich mehr Betrachtungsebenen beinhaltet.
Zu jedem Zeitpunkt des Lebens gilt die folgende “Pyramide der Lebenszufriedenheit”, die ursprünglich von dem Amerikaner Dr. Abraham Maslow (Psychologie) als hierarchische Bedürfnispyramide entwickelt wurde. Maslow arbeitete lange mit Kurt Goldstein, dem Urheber des Konzepts der Selbstverwirklichung, zusammen, so dass der Schritt zu der Bedürfnispyramide nur recht klein war:

eigenes Schaubild auf der Basis der Maslow’schen Bedürfnispyramide
#23 eigenes Schaubild auf der Basis der Maslow’schen Bedürfnispyramide

Wenn also „Alterssicherung“ betrachtet wird, dann ist der finanzielle Aspekt nur ein Teil dessen, was uns Menschen zufrieden macht. Betrachten wir nur den Wortteil “Sicherung” (“Versicherung”), dann kann man den psychologischen Hintergrund erkennen: es geht um  Risikoabsicherung, es geht darum, dass die innere Stabilität, die Ausgeglichenheit und Berechenbarkeit für die Zukunft im Alter das Ziel der Alterssicherung ist. Es geht darum, für Menschen das Lebensrisiko möglichst klein zu halten.

Wenn wir über die gesellschaftlichen Veränderungen reden, betrachten wir oft zu sehr die Alterspyramide, die vom Statistischen Bundesamt herausgegebene Altersverteilung in Deutschland und negieren dabei, dass auch die Alten nicht nur ein Recht auf Lebenszufriedenheit haben, sondern dass diese Gesellschaft genau denen verpflichtet sein sollte, die dieses heutige Deutschland groß und stark gemacht haben und die man derzeit teilweise verteufelt:

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# 2 Altersaufbau-der-Bevölkerung-2013-StatBuAmt-2016-1

Sicherlich, dieses Bild der Bevölkerungsstruktur zeigt, dass ab dem Jahre 2028 viele Mitbürger von dem System zu bewältigen sind: sie werden dann den Ruhestand beginnen. Leider ängstigen sich immer mehr Bürger, dass sie vielleicht im Alter nicht genügend Geld zum würdevollen Leben zur Verfügung haben. An dieser Verängstigung haben oft auch Medien einen großen Anteil, zum Beispiel wenn wieder einmal das Thema “Altersarmut” in den Fokus der Betrachtungen gerät. Es wird bei den hier erörterten Sachverhalten auch um Altersarmut gehen: berechtigt, diese Sorgen, oder nicht?

Warum, das scheint sich niemand aus den großen Zeitungen zu fragen, haben wir Bürger die Politiker gewählt, die eigentlich die Aufgabe haben, dieses Land mit funktionsfähigen LÖSUNGEN zu organisieren. Aber nichts passiert. Wundert es irgendjemanden, dass die Bürger dieses Landes aufgrund der Unfähigkeit der Politiker immer mehr auf Distanz zur Politik gehen.

Dem Versicherungskonzern R+V ist es zu danken, weil dieser seit vielen Jahren eine Umfrage betreibt, um herauszufinden, was die Bürger in Deutschland denken, befürchten, was sie ängstigt.

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#4 Quelle: R+V Versicherung, jährliche Umfrage 2016, https://www.ruv.de/presse/aengste-der-deutschen

Es zeigt sich zunehmend, dass, bezogen auf die obige Bedürfnispyramide, immer mehr umfassende Sicherheitsbedürfnisse der Bürger bestehen:

  • die allgemeinen Ängste werden als individuelle Bedrohung des Lebens und der Lebensqualität wahrgenommen,
  • die finanziellen Folgen allgemeiner Ängste entwickeln sich zu potentiellen individuellen Einschränkungen aufgrund politischer Entwicklungen.
Ängste-der-Deutschen-RV-Versicherung-2016
#5 Quelle: R+V Versicherung, jährliche Umfrage 2016, https://www.ruv.de/presse/aengste-der-deutschen

Die Kategorisierung der R+V Versicherung in

  • wirtschaftspolitische Themen,
  • externe Bedrohungen,
  • persönliche Sorgen und
  • Umweltängste

ist individuell zurückführbar auf persönliche Beeinträchtigungen für jetzt und für die Zukunft. Beispielweise sind die genannten Ängste „Terrorismus“ und „politischer Extremismus“ zu weit weg von dem Individuum. Diese gefühlt weit weg liegenden Ängste kommen jedoch sehr nahe, wenn man weiß, dass diejenigen, die „Terrorismus“ und „politischer Extremismus“ als besonders wichtige Ängste genannt haben, die eigentliche Befürchtung haben, sie würden im Falle „Terrorismus“ und „politischer Extremismus“ zu freiheitlichen oder finanziellen Beeinträchtigungen kommen. In einem Leben, in dem es plötzlich zu freiheitlichen oder finanziellen Beeinträchtigungen kommt, werden frühere Lebenskonzeptionen hinfällig. Wenn Professor Rohmert, Universität Darmstadt, (ich hatte das Vergnügen, in den 1970er Jahren die Vorlesungen zu hören und von ihm eine Dissertation angeboten bekommen zu haben – später war ich wenigstens Lehrbeauftragter für das FH- Fach Arbeitswissenschaften) in seinen Vorlesungen Arbeitswissenschaft über das Alter sprach, erwähnte er immer den Vorteil  persönliche Stabilität, nicht vergessend, die Kehrseite zu erwähnen, begrenzte Flexibilität. In erster Näherung kann man sagen: ältere Menschen, insbesondere jene des letzten Lebensabschnittes, tendieren dazu, Lebenskonzeptionen zu beizubehalten, weil sie in Jahren entstanden sind und diese Menschen das innere Gefühl haben, dass das, was sie erdacht haben, auf einem langen Erfahrungswissen beruht; dieses Gefühl erzeugt eine gewisse Inflexibilität, der jüngere oft ratlos und kopfschüttelnd gegenüber stehen.

Kommen wir nochmals zurück auf die Bedürfnispyramide, dann sehen wir, dass sich „Terrorismus“ und „politischer Extremismus“ in der Bedürfnispyramiden- Kategorie „Sicherheitsbedürfnisse“ zuordnen lassen.

Wo Sicherheitsbedürfnisse als Mangel, gar als Angst, empfunden werden, da darf es doch nicht wundern, dass zwischen vielen Bürgern und Politikern ein Vertrauensverlust eingekehrt ist, der inzwischen sogar die Demokratie untergräbt.
Man kann der R+V Versicherung nur danken, über viele Jahre eine solche unabhängige Analyse zu erstellen, weil deutlich wird, in welchem Zustand diese Gesellschaft sich befindet: Bürger gehen auf Distanz – Politiker agieren durch restriktive Maßnahmen – Bürger gehen verstärkt auf Distanz.

Dramatisch ist, dass Bürger laut der R+V- Erhebung aber auch eigener Erfahrungen sich ängstigen, weil sie der Überzeugung sind, dass Politiker überfordert zu sein scheinen. Ein 70 Jahre funktionsfähiges “System Deutschland” mit seinen Teilsystemen, zu denen auch das Rentensystem zählt, hat sich überholt, weil Politiker basteln, anstelle sorgfältig eine grundsätzliche Reformation der Systeme, angepasst auf die Rahmenbedingungen der heutigen Zeit, anzugehen:

  • Grundbedürfnisse
  • Sicherheitsbedürfnisse
  • Soziale Bedürfnisse
  • ICH Bedürfnisse
  • Selbstverwirklichungsbedürfnisse.

Diese Ebenen, die im folgenden erklärt werden, erwarten Bürger zur Lebenszufriedenheit. Dafür sollten Politiker arbeiten, kämpfen … aber sie versagen und dieses Versagen zeigt sich in den Ergebnissen der R+V Versicherung. Aber genau in dieser Lage sind die Bürger, wissend, dass ihre Zukunft, ihre Alterssicherung, immer mehr zur Disposition steht.

Genau um diese Unsicherheiten nach den vorgenannten Hauptmerkmalen geht es in dieser Veröffentlichung. Genau um Vermeidung der Unsicherheiten geht es in dieser Veröffentlichung. Genau um die Forderung an die Politik zur Schaffung altersgerechter Politik geht es in dieser Veröffentlichung.

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