2.3 Altersvorsorge planen

Der Autor wurde fast ausgelacht, wenn er als Dreißigjähriger erzählte, dass er sich Gedanken um die Altersvorsorge macht. Man genießt das Leben, man genießt heute und wer sich Gedanken für einen Fall macht, der in dreißig oder mehr Jahren eintritt, der gilt allgemein als Spinner. Mit dem Lebensalter von dreißig war, auf der Erfahrung der elterlichen Familien basierend, vermeintlich “klar”, dass zwischen dem Alter von 63 und 90 (das war tatsächlich so aus dem Bauch heraus bewusst geworden) man Geld zum Leben braucht.

Es war auch klar, dass die Rente, die Großeltern mütterlicherseits waren damals bereits 82 und bezogen Altersrente, nicht reichen könnte. Der Großvater hatte eine Bandweberei und stand noch im hohen Alter täglich an den Webstühlen, um zur staatlichen Rente noch etwas hinzu zu verdienen. Sollte das der Lohn für ein langes Arbeitsleben gewesen sein? Besonders kritisch war für den Großvater, ein Textilingenieur, als sein Betrieb gekündigt wurde und er vor der Frage stand umziehen zu müssen. Durch die Diskussionen wurde offenbar, dass die Einnahmen aus der Bandweberei für das Leben im Alter gebraucht wurden. Sie, die 1893 geboren wurden, stellten plötzlich fest, dass die politischen Wirrungen ihnen das Leben einen Streich gespielt hatte und sie nicht hatten sorgfältig und frühzeitig genug vorsorgen können.

Die Eltern väterlicherseits besaßen vor dem zweiten Weltkrieg eine Fabrik zur Herstellung von Möbeln, die jedoch den britischen Bomben zum Opfer fiel. Sie standen vor dem Nichts, versuchten, aus den geborgenen Maschinen und Gerätschaften wieder eine Tischlerei aufzubauen und nutzten das Vermögen, um an einem anderen Ort weiterzumachen. Und den Rest gab ihnen die Währungsreform. 10:1 hieß es letztlich. Und Zwangshypotheken. Löhne, Renten, Pensionen, Pachten und Mieten liefen im Kurs 1:1 weiter; man verlor 90 Prozent und musste 1:1 zahlen. 1948 fing man also wieder bei Null an. Die Eltern väterlicherseits hatten 1944 bereits so viel Geld erspart, dass sie sich ein Mehrfamilien- Wohnhaus hatten kaufen wollen. Dieser Kauf war für 1947 geplant, konnte aber nicht vollzogen werden, weil die Währungsreform einen fürchterlichen Strich durch dieses Vorhaben machte; das, was als Altersvorsorge gedacht war, fiel der Währungsreform zum Opfer. USA und Großbritannien, die die Währungsreform vorgedacht hatten, vollführten nach der Bombardierung den zweiten Schlag gegen die deutsche Bevölkerung durch die Währungsreform, die in Wikipedia begründet wurde mit “die Reform zielte darauf ab, kurzfristig den Geldüberhang zu beseitigen und langfristig die Grundlage für eine funktionsfähige Marktwirtschaft aufzubauen.” Heute sage ich: man kann alles schönreden – das ist die Aufgabe der Politiker.

Diese familiären Erfahrungen im Kopf waren dem Dreißigjährigen genug sich zu sagen: so machst du es nicht. Rückblickend ist es schon komisch, dass der zweite Weg von ‘so machst du es nicht’, nämlich gedankenlos sich ein schönes Leben zu machen, ‘nach mit die Sindflut’ war ein nicht unbekanntes Leitmotiv (oder sollte man sagen Leidmotiv), überhaupt nicht in Betracht gezogen wurde. Wirkte hier, dass die Großeltern den Eltern Prinzipien aus der Kaiserzeit während der Erziehung mit auf den Weg gaben und die Eltern abgeschwächt diese Prinzipien aus der Kaiserzeit weitergaben?

Jedenfalls war klar, ‘so machst du es nicht’ musste anders angegangen werden:

  • Geld sparen
  • für das Alter vorsorgen
  • Schritt für Schritt sich auf das Alter vorzubereiten.

Als Dreißigjähriger war nicht klar, wie viel braucht man denn eigentlich für das Alter? Also begann sparen, was geht. Ein paar Jahre später kamen dann die Gedanken nach Inflation, die das Geld vernichtet, also auch das Geld, das man mühsam zurücklegt. Zu dem Zeitpunkt gab es noch nicht den Computer und ein Tabellenkalkulationsprogramm, mit dem man schnell mal eben die Kaufkraft für die folgenden Jahre unter Berücksichtigung der Verzinsung sich klarmachen konnte. Und mit welcher Inflationsrate sollte man rechnen?

Er sehr viel später war klar: wie bereits in dem Artikel 1.3.2.9 Alterssicherung und Inflation/Teuerung – Kaufkraft geschrieben “1,98 % Teuerungsrate ist somit überhaupt keine Zukunftsgarantie – leider”. Es ist zudem unabwendbar, dass die zunehmende Staatsverschuldung einmal zu einer neuen Währungsreform wird; natürlich wird man diesen Begriff vermeiden – auch die Umstellung von DM zu Euro war realiter eine Währungsreform. So könnte die nächste Währungsreform eine Umstellung zum N€, einem Neuen Euro, werden.

Heute kann man leicht sagen: Wer Altersvorsorge betrieben hat, der wird – in welcher Form auch immer – Vermögen als Alterssicherung zurückgelegt/betrieben haben. Grundsätzlich ist dieses zurückgelegte Vermögen dafür gedacht, dass die Fehldeckung Summe Einkommen zu den gesamten Ausgaben lebenslang gedeckt werden sollte. In diesem Konzept sind einige Probleme enthalten:

  • für wieviele Lebensjahre sollten wir rechnen?
  • was sind unsere gesamten Ausgaben?
  • welche Preissteigerung für unsere gesamten Ausgaben sollten wir annehmen?
  • welche Entwicklung (Steigerungsraten) werden unsere Einkommen haben?
  • welche Kosteneinsparungspotenziale werden wir erzielen können (muten wir uns zu)?

Folgeartikel: “2.3.1 Für wieviele Lebensjahre sollten wir rechnen” (Link)

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