1.2.1.1 Wahrheit durch Statistik schönen

Die einfachste Form der Unwahrheit ist uralt: das Schönen von Statistikdaten. Um es deutlich zu sagen: es gibt Statistiken, die sollen vorgeblich die Wahrheit des täglichen Lebens widerspiegeln. Angeblich soll Winston Churchill gesagt haben: „Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe“ und meinte die persönliche Einschätzung zu Statistiken aus dem sogenannten Dritten Reich. Unabhängig davon, ob Winston Churchill tatsächlich diesen Satz gesagt hatte, er ist heute mehr denn je richtig. Wollen Sie ein aktuelles Beispiel sehen? Und woher kommt die Differenz?

# 27 https://deutsch.rt.com/inland/38110-arbeitslosenzahl-atypische-jobs-auf-hochsten/

Juristisch spitzfindig wird man „gefälscht“ heute differenzieren müssen, weil selbst Zahlen- oder Methodeninterpretationen immer eine Tendenz der Interpretationsrichtung haben. So wird die Partei DIE LINKE eine Einkommensstatistik wahrscheinlich anders (verbal) interpretieren als der Verband der Arbeitgeber.
Die Erkenntnis daraus: Es gibt die Interpretationswahrheit, die jedoch von der Tendenz des Interpretierenden abhängig ist.

Zudem, wie sind Statistiken zustande gekommen? Wer hat sie erhoben? Wer wurde wann und wie befragt? Wurde beispielsweise nur über das Handy angerufen, so erwischt man jene nicht, die gar kein Handy haben, zum Beispiel ältere Mitbürger haben seltener ein Handy. Also kommen in erster Näherung die Meinungen älterer Mitbürger in der Statistik gar nicht zum Tragen.
Die Erkenntnis daraus: Es gibt eine Statistik“wahrheit“, die methodisch nicht die vollständige Wahrheit abbildet.

Zudem, wie viele Mitbürger wurden zu einer Statistik befragt? Heute erleben wir immer mehr, dass 1.000 bis 1.200 Personen befragt werden und die Statistikmacher nennen diese Methodik eine „repräsentative Befragung“. Überlegen wir einmal: angenommen, es gäbe nur 50 unterschiedliche Personengruppen, zum Beispiel

  • Personengruppe Militär
  • Personengruppe Politik
  • Personengruppe Recht
  • Personengruppe Religion
  • Personengruppe Unternehmer
  • Personengruppe Wissenschaft
  • Personengruppe Rentner
  • Personengruppe Nichtdeutscher
  • Personengruppe Arme
  • Personengruppe Reiche
  • Personengruppe Immobilienbesitzer
  • Personengruppe Akademiker
  • Personengruppe Arbeitslose
  • Personengruppe Facharbeiter
  • Personengruppe Angestellte
  • Personengruppe Alleinstehende
  • Personengruppe Double Income no Kids
  • Personengruppe Alleinlebende
  • Personengruppe Geschwister
  • Personengruppe Selbstständige
  • Personengruppe Kranke, Invalide
  • Personengruppe Arbeitszufriedene
  • Personengruppe Arbeitsunzufriedene

leicht wird es uns fallen, diese 50 Personengruppen mit ihren individuellen Sichtweisen aufzulisten.

Es ist sehr wohl vorstellbar, dass jede Person aus diesen unterschiedlichen Personengruppen unterschiedliche Ansichten/Positionen hat; teilt man nun 1.200 durch 50 bedeutet das, dass nur 24 Personen die Repräsentativität für 81 Millionen Mitmenschen darstellen. Ich wage das zu bezweifeln, das heißt, Umfragen mit 1.200 Personen sind nicht repräsentativ und stellen nicht die Wahrheit eines Sachverhaltes dar!

Quantitativer vor qualitativer Repräsentativität?

Ein besonders interessantes Beispiel für Statistik- Manipulationen bietet unwissentlich ein Artikel des Berliner Tagesspiegels, in dem folgender Absatz steht: “64 Prozent der Befragten haben Vertrauen in die Demokratiefähigkeit der nachfolgenden Generation. Am ausgeprägtesten ist diese Zuversicht bei Gutverdienern und unter den über 60-Jährigen. Von denen, die mehr als 3000 Euro im Monat nach Hause bringen, äußern sich nur 29 Prozent skeptisch, bei Geringverdienern mit weniger als 1500 Euro waren es 43 Prozent. Auch im Osten ist das Vertrauen in die Verantwortlichkeit der nachfolgenden Generation mit 58 Prozent weit geringer ausgeprägt als im Westen (65 Prozent). Ansonsten zweifeln vor allem diejenigen an der Jugend, die ihr noch am nächsten sind: die 18- bis 29-Jährigen.”

Wir lernen aus diesem Absatz, dass das Ergebnis einer Befragung abhängig ist von

  1. Alter der befragten Person
  2. Einkommen der befragten Person
  3. Wohnregion der befragten Person
  4. Parteitendenz der befragten Person (im weiteren Verlauf zu lesen).

Also vier Kriterien sind in diesem Artikel genannt, die Einfluss auf das Untersuchungsergebnis haben. Es erscheint wahnwitzig, wenn man eine Untersuchung als repräsentativ nennt: der Manipulation werden Tür und Tor geöffnet.

“Sage mir, wer die Statistik beauftragte und ich sage dir das Ergebnis!”

Der nächste mögliche Fehler in Befragungen ist, dass diejenigen, die eine Umfrageerhebung durchführen, davon ausgehen (müssen), dass Antworten die Wahrheit darstellen. Jedoch: falsche Einschätzung eines Befragten zu einer Frage – bewusst – unbewusst ergeben falsche Ergebnisse. Das heißt, Ergebnisse mit falscher Einschätzung stellen oft nicht die Wahrheit eines Sachverhaltes oder den Kern einer Befragung dar!

Ein wichtiges Thema und eine Fehlermöglichkeit bei Umfragen ist die Antwort- Skalierung in Fragebögen. Für Spezialisten folgende Antwort: Wollen wir in den Befragungen eine Kopf- oder Bauchantwort haben?

Bei Kopfantworten sollte man eine Punkteskala verwenden, wobei die Benennung der Punkte den Grad der Übereinstimmung darstellt. Indem Anwender den Text erkennen, nutzen sie eher Logik als Gefühle, auch, wenn ein Text immer auch eine Emotion enthält: beispielsweise die Befragung “fühlen Sie sich auf der Insel Rügen wohl”. Diese Frage enthält den emotionalen Anteil “wohlfühlen”; aber wer befragt wird, wird im Hintergrund sachliche Erfahrungen haben: die (schöne) Architektur der Ostseebäder, die (angenehmen) Wellness- Häuser, die (opulenten) Hotelschlösser.

Es gibt eine gedankliche Antwortsystematik: man vergleicht den textlichen Inhalt, zum Beispiel „ich stimme vollständig zu“, also das „vollständig“ mit dem (unscharfen, subsummierenden) Erfahrungswissen.

Bei Bauchantworten sollte man eine gleitende Skala nehmen. Durch Verschieben eines Reglers ist die Übereinstimmung als Antwort anzugeben. Es hat sich gezeigt, dass eine solche Skala an den Endpunkten benannt werden sollte, Beispiel „ich stimme vollständig zu“, „ich stimme nicht zu“: ein Antwortender wird gefühlsmäßig einen Regler zwischen den Positionen „ich stimme vollständig zu“, „ich stimme nicht zu“ zur besseren Einschätzung der Empfindung oder Überzeugung verschieben.

Ich hatte in einer inzwischen von mir verkauften Forschungs- GmbH Schieberegler als Antwort genutzt. Das System wurde an einer Hochschule eingesetzt und von dem einsetzenden Professor wurde die Antwortkorrektheit mit über 90% angegeben. Übrigens: wahrscheinlich ist es die beste Methode, zu beantwortende Fragen durch eine gute Computerstimme vorlesen zu lassen und die Antwort durch EEG- oder Herzfrequenzeingabe dem Computersystem einzugeben.

Eine alte Erkenntnis ist: Sage mir, wer die Statistik beauftragte und ich sage dir das Ergebnis. Kaum ein Statistikunternehmen wird eine Statistik veröffentlicht lassen, die mit dem Beauftragenden nicht abgestimmt ist. Das heißt, wer beauftragt, legt indirekt fest, dass seine Zielsetzungen sich im Statistikergebnis widerspiegeln.

Statistik schönen durch Manipulation

Ein besonders schönes Beispiel für Meinungsmanipulation brachte unlängst n-tv bei der Diskussion Zinserträge für Sparer erhöhen mittels Zinsverlustausgleich durch den Staat mit folgendem Text: “Wer sich die Mühe macht, über die Vorschläge kurz nachzudenken, bemerkt schnell, dass sie nicht besonders sinnvoll sind. Denn wenn der Staat den Bürgern das Geld zurückgibt, dann profitieren davon am ehesten die Banken, wenn sie bei steigenden Zinsen die höheren Anlagezinsen nicht weiter geben müssen und somit ihre Zinsdifferenzgeschäfte wieder ausweiten können. Gelebte Bürgernähe sieht anders aus.”

Das Trickreiche an dieser Argumentation ist, dass Sparer und Banken gegeneinander gehetzt werden. Sparer sollen gegenüber Banken (deren Ansehen derzeit laufend sinkt) eine Position einnehmen ‘denen gönnen wir nicht das Schwarze unterm Fingernagel, daher: NEIN’. Das ist reine Meinungsmanipulation! Klar, der Schreiberling ist ein Finanzberater und wenn Verzinsungen wieder attraktiv sind, dann entgeht dem Beratungspotenzial (und Umsatz).

Ein besonderes Beispiel könnte sich Anfang 2017 darstellen: Es geht darum, dass das Meinungs”forschungs”institut INSA herausgefunden haben will, dass die SPD, zuvor immer bei etwa 20%, die CDU, zuvor immer bei etwa 35%, überholte. Ein Aufschrei geht los: „Dass die SPD stärker wird als die Union, daran glaube ich nicht, und das halte ich auch bei der Bundestagswahl eigentlich nicht für möglich“, sagte Schöppner der „Berliner Zeitung“ vom Dienstag, schreibt die empfehlenswerte Epoch Times. Dieser “Kurs”anstieg ist natürlich ein Geschenk der SPD an den neuen SPD- König, Herrn Schulz. Niemand wird belegen können, dass die SPD die Firma INSA mit 100.000 Euro bestochen hat, um dieses Ergebnis zu erzielen.

Daher: seien Sie überlegt und cool, wenn Sie solche oder ähnliche Meldungen lesen.

Erkenntnis zu diesem Kapitel
Die Internetseite STATISTICA kommt daher zu dem Schluss: „Befragungen bringen daher in der Regel ungenauere Ergebnisse als Beobachtungen oder Experimente“. Geschätzt 95 Prozent aller Statistiken kommen aus Befragungen, weil diese wesentlich kostengünstiger herzustellen sind. Wir können also daraus schließen, dass die Ungenauigkeit der Statistiken, die nicht aus komplexen Datenbanken mit Millionen Datensätzen abgeleitet sind, recht hoch ist. Meine Schlussfolgerung: ich glaube das, was ich sehe oder erlebe – ich glaube nicht Statistiken (Hinweis: eine solche Veröffentlichung kommt ohne Statistiken nicht aus – wenn Statistiken angewendet werden, dann ist diesen immer mit ausreichender Kritik zu entgegnen).

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