1.2.1.4 Die Gläubigkeitsstrategie

Es ist eine Strategie aus der jesuitischen Schule, wie ich sie einmal in einem Rhetorikseminar gelernt hatte:

zitieren Sie eine Autorität (einen anerkannten Experten) und die meisten Menschen glauben Ihnen. Sollte Ihnen nicht geglaubt werden, drehen Sie den Spieß um: „respektieren Sie nicht einmal anerkannten Experten? Sie sind ein Querulant!“ Ersatzweise wird man demjenigen nicht nur Querulantentum sondern eine psychopathologische Persönlichkeitsstörung vorwerfen.

In der medialen Öffentlichkeit wird dieses Strategie öfters angewendet, als Sie denken

genutztes Argument  Wirkung auf uns
 „die Deutschen sind der Überzeugung“ wollen Sie gern außerhalb der Gemeinschaft sein und argumentieren?
 „der Experte Professor Dr. Dr. Meierdetering wies nach, dass …“ was, Sie respektieren nicht eine anerkannte wissenschaftliche Persönlichkeit und gerade eine solche mit einem Professorentitel?
„Was Deutschland denkt“ aber ich bin doch auch Deutscher, denke ich anders als alle anderen? Könnte es sein, dass ich falsch denke?
„Es liegen vertrauliche und geheime Informationen vor, die …“ oh je, vertrauliche Informationen, das sind doch genau die, die für OBEN bestimmt sind und nun darf ich diese Informationen mitlesen; ich fühle mich geehrt!
In dem Expertenwerk xyz auf Seite 1285765767; dort kann man den Beweis nachlesen, dass … nn wenn Experten das sagen, dann muss ich meinen Standpunkt überlegen

Die Perfidie dieser Strategie ist die, dass man Sie als jemanden, der gegenteiligen Ansicht ist, als Extremist, Randfigur, Pack oder gar als Idiot darstellt. Das Ziel ist: wollen Sie Extremist, Randfigur oder gar Idiot genannt werden und Ihre soziale Umgebung sieht, wie man mit Ihnen umgeht und Sie befürchten, dass Freunde sich von Ihnen abwenden? Natürlich wollen Sie nicht Extremist, Randfigur, Pack oder gar Idiot genannt werden und daher überdenken Sie Ihre argumentative Position. Mission accomplished.

Seien Sie sicher: je härter die Angriffe auf Non-Mainstream- Positionen, je intensiver geht es der heutigen Macht an den Kragen. Wenn also vor Monaten Sigmar Gabriel Protestierende eines legal angemeldeten Protestes “Pack” nannte, dann geht es den Volksparteien richtig an den Kragen, wie auch die stark gesunkenen Mitgliederzahlen und auch die Zustimmungsquote zur außerparlamentarischen Oppisition zeigen.

Wenn man also über Wahrheit nachdenkt, wenn man Wahrheit in dieser Welt betrachtet, dann muss man mit Copyright © by Peter Möller, Berlin, übereinstimmen, der sagt „Viele Philosophen sind im Verlaufe ihrer Überlegungen zu dem Schluss gekommen, dass objektive Wahrheit für den Menschen nicht erreichbar sei oder die Menge der objektiven Wahrheiten, die ein Mensch haben könne, im Vergleich zu dem nicht Erkennbaren und den Vermutung sehr gering sei. Im Ergebnis dieser Auffassungen entstanden dann Begriffe wie subjektive, relative oder praktische Wahrheit.“ Oft meinen wir die Wahrheit erkannt zu haben und die ist dann als individuelle Wahrheit eine als objektiv empfundene Wahrheit. Wenn wir uns zu einer Wahrheitsbewertung entschlossen haben, dann rütteln wir nicht an dem Beschluss, wir stellen ihn nicht infrage, die subjektive Wahrheit. Wahrheit wird zumeist viele Facetten haben, Facetten, die wir bei einer Bewertung eines Sachverhaltes auf Wahrheit kapazitativ gar nicht alle berücksichtigen können, es entsteht eine relative Wahrheit, die gleichzeitig auch eine praktische Wahrheit werden kann, weil eine Wahrheitsbewertung ohne Ergebnis unbefriedigend ist; man muss praktischerweise zum Schluss der Bewertung um Wahrheit kommen.

Meine Schlussfolgerung: ich glaube das, was ich sehe oder erlebe – ich glaube nicht selbsternannten oder von Autoren bezeichneten Experten.

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