1.3.2.1.1 Eigentums-und Einkommensverteilung Schwerpunkt nicht- Rentnerhaushalte

A Einkommensverteilung

Sie fragen sich sicherlich, wie kommt es zu dieser “schiefen” Vermögensverteilung. Ein Grund liegt auch, aber nicht nur, in dem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen:

#20 Eigene Berechnung: Einkommens- und Verbrauchsstichprobe und Sparquote, Statistisches Bundesamt, Fachserie 15, Heft 4, EVS 2013
#19 Eigene Berechnung: Einkommens- und Verbrauchsstichprobe, Statistisches Bundesamt, Fachserie 15, Heft 4, EVS 2013

In den wesentlichen Knackpunkten:

  • 20,1 Millionen Haushalte, das sind 51 Prozent aller Haushalte, haben ein Nettohaushaltseinkommen von weniger als 2.000 Euro – können sich gerade einmal das Überleben gönnen, sind also als arm zu bezeichnen,
  • 12,8 Millionen Haushalte, das sind 32 Prozent aller Haushalte, haben ein Nettohaushaltseinkommen zwischen 2.000 Euro und 3.600 Euro – stehen auf der Kippe arm zu werden – und, nach meiner Theorie, sparen, um der Armut zu entgehen,
  • 6,9 Millionen Haushalte, das sind 17 Prozent aller Haushalte, haben ein Nettohaushaltseinkommen von mehr als 3.600 Euro – sind als altersabgesichert anzusehen.

Wenn es bei RT Deutsch nun, 2016, heißt “Es geht noch ärmer – Höchste je gemessene Armut in Niedersachsen … Dass die Wachstumsraten der Wirtschaft kaum noch etwas mit den Lebensbedingungen weiter Teile der Bevölkerung zu tun haben, ist mittlerweile eine Binsenweisheit. So zuverlässig wie jedes Jahr eine weitere schlechte Nachricht zum Thema Armut eintrifft, so zuverlässig ist bedauerlicherweise auch das Achselzucken in der Politik als Reaktion darauf“, dann kann man sich ein komplettes Bild von der sozialen Situation in Deutschland machen: die SPD, genauer, Herr Gerhard Schröder, hatte als Boss aller Bosse den Niedriglohnsektor eingeführt. Ihm war wohl von den Arbeitgeberverbänden verdeutlicht worden, dass zur Wahrung und zur Verbesserung der Angebotschancen deutscher Produkte auf dem Weltmarkt ein reduziertes Lohnniveau erforderlich wäre. Und schon hat der Herr Sozialdemokrat die Hacken zusammengeschlagen und die Bürger Deutschlands in die Knechtschaft geführt.
Ein Hinweis zu RT Deutsch: in deutschen Systemmedien finden sich solche Berichte nicht, weil wir eine Zeitungswelt haben, in der nur und nur positive, die persönliche Stimmung der Bürger verzierende Berichte gewünscht sind (DDR II läßt grüßen).

Nur eines ist sicher: die Armen von heute sind die Altersarmen von morgen – garantiert!

Dass Millionen Mitbürger mit geringem Haushaltsnettoeinkommen nicht für ihr Alter durch Geld- oder Sachvermögen ansparen können, sehen Sie hier (Daten von 2013):

Eigene Berechnung: Einkommens- und Verbrauchsstichprobe und Sparquote, Statistisches Bundesamt, Fachserie 15, Heft 4, EVS 2013
#20 Eigene Berechnung: Einkommens- und Verbrauchsstichprobe und Sparquote, Statistisches Bundesamt, Fachserie 15, Heft 4, EVS 2013

Im Gegenteil, das zeigt folgende Gesamtbetrachtung. Während Schaubild #20 allein das Sparen aufführt, zeigt folgendes Schaubild die finanzielle Gesamtsicht:

Datenreport 2015 Stat BuAmt, Seite 171 - Bruttoeinkommen, eigene Berechnung Private Konsumausgaben nach Nettoeinkommensklassen 2012
#42 Datenreport 2015 Stat BuAmt, Seite 171 – Bruttoeinkommen, eigene Berechnung Private Konsumausgaben nach Nettoeinkommensklassen 2012

Hier sehen Sie, dass erst ist der Einkommensklasse 2.600 bis 3.600 Euro verschulden sich Haushalte nicht mehr! Weil wir mit Nettoeinkommen nicht umgehen können, habe ich für Sie die Nettoeinkommen in Bruttoeinkommen umgerechnet (Basis: 1 Person, keine Kinder, Steuerklasse 4):

netto Euro / Monat brutto Euro / Monat
1.340 1.920
3.099 5.380
5.577 9.500
7.989 14.272
21.904 40.306

Sie erleben bei der Umrechnung in Nettoeinkommen, bei welchen Brutto- Einkommensklassen man sparen kann!

Haushaltstyp durchschnittliches monatliches Sparen Jahre für Vorsorge- Sparsumme von 100.000 Euro bei 2 Prozent Zinsen
arm oder armutsnah 101 Euro 49 Jahre
Mittelstand 241 Euro 27 Jahre
Bestverdiener 921 Euro 9 Jahre

Arme oder armutsnahe können fast nichts sparen; der Mittelstand hat sehr lange zu sparen; Bestverdiener dagegen können Alterssicherung recht bequem betreiben.

Was diese offiziellen Statistik etwas problematisch macht ist, zieht man das Sparen für Geld- und Sachvermögen vom Haushaltseinkommen ab, dann müsste sich der Mindestbedarf eines Haushaltes in Abhängigkeit von der Einkommensklasse ergeben:

Eigene Berechnung aus: Einkommens- und Verbrauchsstichprobe, Statistisches Bundesamt, Fachserie 15, Heft 4, EVS 2013 Mindestbedarf
#21 Eigene Berechnung aus: Einkommens- und Verbrauchsstichprobe, Statistisches Bundesamt, Fachserie 15, Heft 4, EVS 2013 Mindestbedarf

Die Verifikation der Verbraucherstichprobe kann wegen dieses Ergebnisses leider nicht erfüllt werden.

Fazit bezüglich Alterssicherung und Lebenswirklichkeit und Eigentumsverteilung:

17 Prozent der Familien Deutschlands befinden sich heute auf der Sonnenseite des Lebens. Finanziell relativ sorglos können sie der Zukunft entgegegen sehen. Für den Rest aller Familien Deutschlands sieht die Welt ziemlich dunkel aus; der Mittelstand, das ist in dem Schaubild #19 gelb gekennzeichnet, besteht die Gefahr, dass diese Haushalte in die Armut abgleiten. Es kann geschätzt werden, dass bis zur Einkommensklasse 1.500 bis 2.000 Euro/Monat, das sind 9.6 Millionen Haushalte, höchst armutsgefährdet sind. Würde diese Prognose Realität, würden wir in Deutschland rund 21 Millionen verarmte Haushalte, das ist rund jeder zweite Haushalt, haben. Aus diesen Zahlen kann man erkennen, dass die Angst der Bürger vor dem sozialen Abstieg nicht nur individuell gefährlich ist, sondern sich zu einem gesellschaftspolitischen Sprengstoff entwickeln würde. Aus dem Grund versucht die herrschende Politik alles, im das Märchen vom reichen Deutschland zu erhalten, weil sehr viele Mitbürger sich gern so sehen würden.

Es ist bestürzend, was ein Leser zu einem Artikel kommentierte: “Altersarmut ist die Zukunft für die Mehrheit der Bevölkerung, daran wird keiner was ändern. Die Leistungsträger der Gesellschaft werden geschröpft wo es nur geht und stehen am Ende genau so blöde da wie einer, der sich ein Leben lang den Gemütlichen auf Kosten eben jener gemacht hat.
Die einzige Möglichkeit diesem staatlichen Raubzug zu entgehen ist auszuwandern, was auch bereits über 100.000 Hochqualifizierte jedes Jahr tun, Tendenz rapide steigend!
So wird der allgemeine Niedergang noch weiter beschleunigt, was dazu führt das die jenigen, die bleiben noch stärker ausgeraubt werden müssen um das marode System weiter künstlich am Leben zu halten!”

B Eigentumsverteilung

Damit Sie, aufmerksamer Leser, wissen, über welche Eigentumsverteilung wir hier sprechen, ein Schaubild aus einem Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom März 2016

Verteilung der Nettovermögen der privaten Haushalte in Deutschland - Deutsche Bundesbank Monatsbericht März 2016
#11 Verteilung der Nettovermögen der privaten Haushalte in Deutschland – Deutsche Bundesbank Monatsbericht März 2016

Ich hoffe, Sie verstehen diese Grafik! Über Median und Mittelwert haben wir ja bereits gesprochen … reicht das, diese Grafik zu verstehen?

Für das Geldvermögen gibt es eine einfacher lesbare Darstellung:

#15 Eigene Darstellung: Bargeldvermögen in deutschen Haushalten im Jahr 2013 Statistisches Bundesamt, Fachserie 15, Heft 2, EVS 2013, Seite 20
#15 Eigene Darstellung: Bargeldvermögen in deutschen Haushalten im Jahr 2013
Statistisches Bundesamt, Fachserie 15, Heft 2, EVS 2013, Seite 20
#15 Eigene Darstellung: Bargeldvermögen in deutschen Haushalten im Jahr 2013 Statistisches Bundesamt, Fachserie 15, Heft 2, EVS 2013, Seite 20 - Tabelle
#16 Eigene Darstellung: Bargeldvermögen in deutschen Haushalten im Jahr 2013
Statistisches Bundesamt, Fachserie 15, Heft 2, EVS 2013, Seite 20 – Tabelle

Sie erkennen hier, dass 54 Prozent der Privathaushalte ein Bargeldvermögen von 0€ … 25 T€ haben (im Mittel sind das in der Gruppe der Armen 6.243 Euro) und dass sehr wenige Personen sehr große Bargeldbestände haben (100€ … 500+€).

Das HANDELSBLATT schrieb einen interessanten Beitrag über die Vermögens- und Einkommensverteilung mit der Frage “Müssen Sparer das Zinstief ausbaden, um Banken zu Gewinnen zu verhelfen” und erstellte die Zahlen, wie sie auch in der obigen Grafik #11 sein sollten:

Vermögensverteilung Deutschland - Haushalte Steigerungsbeträge
#41 Vermögensverteilung Deutschland – Haushalte Steigerungsbeträge

Wenn man die Grafik #41 betrachtet, erscheint es etwas merkwürdig, dass eine Steigerung des jährlichen Nettoeinkommens von 19 Prozent eine Steigerung des Nettovermögens von 153 Prozent nach sich zieht (Bereich “40 % … 50 %”). Merkwürdig.

Es schreibt die Süddeutsche Zeitung (Printausgabe Nr. 241, Seite 7) folgende Headline:

“Die Tafeln versorgen 1,5 Millionen Kunden mit kostenlosen Lebensmitteln – und nun stellen sich auch noch Tausende Flüchtlinge an. Diese Konkurrenz löst Ängste aus bei jenen, die schon lange angewiesen sind auf den Überfluss eines reichen Landes”

  1. es mag haarspalterisch sein: das Land (Deutschland, besser: die juristische Person Deutschland GmbH) ist keineswegs reich sondern hoch verschuldet
  2. wenn die Süddeutsche Zeitung vom Überfluss eines reichen Landes spricht und die Bürger meint, gleichzeitig mittels öffentlicher Zahlen festgestellt wird, dass 54 Prozent der Privathaushalte, also mehr als die Hälfte aller Haushalte in Deutschland, ein Bargeldvermögen von 6.243 Euro haben, wo, Süddeutsche Zeitung, ist der Reichtum?

Das ist es grundsätzlich, dass wir von einer sehr großen Schieflage des Reichtums sprechen. Kritiker sagen: können die Reichen nicht mit ihrem Geld besser umgehen? Warum haben die so hohe private Geldbestände?

Schauen wir uns einmal die Situation der Privathaushalte, die eine Versicherung abgeschlossen haben, an:

Haushalte mit Angaben
Versicherungsguthaben
von bis unter
Prozent Haushalte
unter 1 500 14,00%
1 500 – 2 500 7,40%
2 500 – 3 500 5,90%
3 500 – 5 000 7,50%
5 000 – 7 500 9,30%
7 500 – 10 000 7,20%
10 000 – 15 000 10,40%
15 000 – 25 000 12,60%
25 000 – 50 000 14,10%
50 000 – 100 000 8,30%
100 000 und mehr 3,50%

#17 Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 15, Heft 2, EVS 2013, Seite 21

51,3 Prozent der Haushalte (das ist die Durchschnittsbetrachtung) haben ein Versicherungsvermögen kleiner als 10.000 €. Das reicht gerade für eine Beerdigung! Diese Haushalte, wie wir später sehen werden, sind NICHT für ihr Alter abgesichert. Noch deutlicher wird die Situation in folgender Tabelle:

Geld-, Immobilienvermögen und Schulden privater Haushalte am 1.1.2013
Seite 25
Summe Haushalte 54.949.000
Haushalte mit Angaben zu
Bruttogeldvermögen 35.300.000 64,24%
Konsumentenkreditrestschulden 8.245.000 15,00%
Ausbildungskreditrestschulden 2.609.000 4,75%
Nettogeldvermögen 36.349.000 66,15%
Verkehrswerte 19.015.000 34,60%
Hypothekenrestschulden 10.208.000 18,58%
Bruttogesamtvermögen 36.152.000 65,79%
Gesamtschulden 17.271.000 31,43%
Nettogesamtvermögen 37.022.000 67,38%

#18 Geld-, Immobilienvermögen und Schulden privater Haushalte am 1.1.2013, Fachserie 15 Heft 2, Artikelnummer: 2152602139004

In den wesentlichen Knackpunkten:

  • rund 40 Prozent aller Haushalte haben gar kein Barvermögen; auch hier kann man sagen: die Mittellosen von heute sind die Altersarmen von morgen
  • rund 20 Prozent aller Haushalte haben Konsumenten- oder Ausbildungskredite, die nach den Erfahrungen teilweise in die Privatinsolvenz führen; wenn man liest, dass in rund 30 Prozent aller Haushalte Gesamtschulden bestehen, dann muss man auch hier sagen: die Mittellosen von heute sind die Altersarmen von morgen.

 

Was ist die Konsequenz für unser Thema Alterssicherung? Die Armen von heute sind die Altersarmen von morgen! Kann sich Deutschland erlauben, mehr als 50 Prozent verarmte Haushalte zu haben?

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

einloggen/anmelden *