1.3.2.2 Verschuldung Privathaushalte

“Weltweit versuchen Notenbanken, mit billigen Krediten die Wirtschaft anzukurbeln. In den USA ändert sich gerade die Lage, die Zinsen steigen. Das könnte schon bald zu einem Wirtschafts-Debakel führen, meint ein US-Finanzblogger. Die überschuldeten Haushalte könnten ihre Kredite nicht mehr bedienen“, schreibt FOCUS über die USA. Sie sagen, USA, das ist doch nicht Deutschland!

“Trotz sinkender Arbeitslosigkeit, steigender Löhne, niedriger Kreditzinsen und stabiler Konjunktur ist die Verschuldung privater Haushalte in Deutschland zum dritten Mal in Folge spürbar angestiegen. Nach Angaben des Inkassounternehmens Creditreform waren am 1. Oktober dieses Jahres bundesweit 6,8 Millionen volljährige Personen überschuldet. Das sind 131.000 mehr als zwölf Monate zuvor. Die Überschuldungsquote stieg erstmals seit 2008 wieder über die Zehn-Prozent-Marke auf 10,06 Prozent. Die durchschnittliche Überschuldung betrug knapp 35.000 Euro pro Person” schreibt die Berliner Zeitung. Nach den Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes gab es 2016 folgende Anzahl Mitbürger über 18 Jahren: 68.563.000. Die Verschuldungsquote beträgt 9,9 Prozent, nicht, wie in dem Artikel steht, 10,06 Prozent.

Die Verschuldungsquote der Privathaushalte beträgt rund 10 Prozent

Stimmt die in der Berliner Zeitung angegebene durchschnittliche Größenordnung an realer Verschuldung je Schuldner von 35.000 Euro, dann reden wir über einen Schuldenbetrag von 238 Milliarden Euro – in dem immer als besonders reich von den Medien genannten Deutschland. Wieviel sind 238 Milliarden Euro? Das Bruttoinlandsprodukt beträgt 3.132 Milliarden Euro; die 238 Milliarden Euro sind 7,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukt. Sie können sich das immer noch nicht vorstellen? Vielleicht hilft diese Analogie weiter: 238 Milliarden Euro ist das, was in Gesamtdeutschland innerhalb von 27,7 Tagen produziert wird.

Glaubt irgend jemand, dass diese 6,8 Millionen volljährigen Personen für die Alterssicherung sparen können? Das ist die eine Frage; die andere ist: warum vergeben Banken usw. diese Kredite?

  • Weil man verkaufen will – jeder
  • Weil diese Art Wirtschaftssystem vom Verkauf lebt
  • Weil allerdings auch die Privatnachfrage rückgängig ist und
  • Weil die untere Kaste, die die der Armut angehören oder armutsnah sind, kein Geld hat, um dort, wo Mangel wirklich herrscht, die Bedarfe sich zu erfüllen.

Wir erleben die wirkliche Krise der sogenannten sozialen Marktwirtschaft – besser: Wir erleben die wirkliche Krise des liberalisierten Raubtierkapitalismus.

Verschuldung Privathaushalte in der westlichen Welt, auch in Deutschland, geht einher mit der Einkommensverteilung. Je mehr der Unsinn von schierem Sparen den Mitbürgern deutlich wird, je intensiver geht man den Verlockungen eines lustvollen und kaufbaren Lebens nach.

Die Lebenswirklichkeit:

  • es gibt immer mehr Niedriglöhner (die Stundenlohnerhöhungen werden von Preis- und insbesondere Abgabenerhöhungen aufgefressen)
  • Die Reallöhne in Deutschland steigen seit 25 Jahren kaum
  • Arbeitslose können gar nicht sparen – Arme von heute sind Altersarme von morgen
  • Nebentätigkeiten nehmen stark zu – Millionen haben zwei Jobs (zur Freude des Bundesfinanzministers)
  • Die neue Massen-Armut ist die Ursache der Krise in Europa
  • Das bescheidene Leben der einfachen Leute
  • Immer mehr Rentner arbeiten, um über die Runden zu kommen
  • 5,6 Millionen Deutsche betroffen – Altersarmut nimmt zu
  • Millionen Familien können sich keinen Urlaub leisten
  • Seniorendomizile in Deutschland können sich viele nicht mehr leisten
  • Private Überschuldung in Deutschland nimmt deutlich zu
  • Fast ein Viertel der Privathaushalte in Deutschland mit Konsumentenkreditverpflichtungen

Diese Meldungen aus dem Jahre 2016 ließen sich ohne Ende fortsetzen! Und das Dramatische ist die Überschrift in einer überregionalen Internetseite.

Steuern und Abgaben der Bürger gegen Unendlich

Man muss leider feststellen, dass die Belastungen der Bürger auch dazu führen, dass bei diesen verschuldeten Haushalten keine Altersvorsorge betrieben werden kann. Kräftig hilft der Staat mit, dass die Normalhaushalte auf keinen grünen Zweig kommen:

(wird laufend fortgesetzt)

MIT-Chef Linnemann im Interview “Wir müssen etwas für Geringverdiener tun … Ich finde, es muss jetzt Schluss sein mit Versprechungen im Wahlkampf zum Thema Rente”.

Es gibt auch in der CDU etliche Mitglieder, die tacheles reden können und inzwischen wollen. Sie wollen ebenfalls die Verantwortung für die nächsten Generationen spüren und wahrnehmen, Wolfgang Bosbach ist einer, dem man höchsten Respekt zollen sollte.

Zu der Verschuldung von Privathaushalten gehört auch die Habenseite der Privathaushalte.

Die Deutsche Bundesbank schreibt in ihrem Monatsbericht März 2016, 4 500 Haushalte wurden befragt. Daraus entstand nicht ein für Normalbürger lesbares Ergebnis, daraus entstanden Tabelle, die man erst einmal übersetzen muss (wird in den späteren Kapiteln gemacht):

Brutto- und Nettovermögen sowie Verschuldung gesamt - Deutsche Bundesbank Monatsbericht März 2016
#12 Brutto- und Nettovermögen sowie Verschuldung gesamt – Deutsche Bundesbank Monatsbericht März 2016

Man kann das Informationsprinzip der Politiker erkennen: Transparenz Null. Aber es kann ihnen niemand vorhalten, sie hätten nicht informiert!

Die wichtigsten Erkenntnisse aus der obigen Tabelle: kaum Nettovermögen haben

    • Haushalte der Ostregionen
    • Mieter
    • Alleinerziehende und m.E. Alleinlebende
    • Mitbürger unter 35 Jahren Alter
    • Arbeitslose m.E. Arbeiter
    • Mitbürger ohne Schulabschluss

Sie werden nun sagen: das wissen wir doch alles schon. Ja, das ist sicherlich richtig – aber entscheidend ist, unsere Politiker, die von Zahlen und Tabellen leben, kennen diese Zahlen auch und sie tun NICHTS. Das ist der Skandal!

Politischer Sachverhalt … arm sind das hat die Politik einzuleiten
Haushalte der Ostregionen Ehedem Bundeskanzler Helmut Kohl:

1990: “Durch eine gemeinsame Anstrengung wird es uns gelingen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Thüringen schon bald wieder in blühende Landschaften zu verwandeln, in denen es sich zu leben und zu arbeiten lohnt.“

1991: “Und ich bin mehr denn je davon überzeugt, dass wir in den nächsten drei bis vier Jahren in den neuen Bundesländern blühende Landschaften gestalten werden”.

In der Tat ist Ostdeutschland “aufgekauft” und abgewickelt worden. Dass das DDR- System nicht funktionieren konnte, dass die DDR 1990 unendlich marode und heruntergewirtschaftet war, das darf man nicht vergessen. Es sind jedoch zu wenige Betriebseinheiten in Ostdeutschland aufgebaut worden, während gleichzeitig Betriebseinheiten der DDR aus Konkurrenzgründen platt gemacht wurden (das ist Kapitalismus).

Wo war denn außer dem Kohl’schen Satz ein umfassendes Arbeitssicherungsprogramm? Wo war ein breit angelegtes Schulungsprogramm? Wo war ein “Industrie- Ansiedlungsprogramm Ostdeutschland”? Statt dessen wurden mit unserem “Solidarbeitrag” die Rathäuser, die Straßen davor, unendliche viele Kreisverkehre aufgebaut. Völlig falsche Prioritäten wurden gesetzt!

Mieter Wo bleibt ein Förderprogramm, zum Beispiel in staatlich unterstützten gemeinnützigen örtlichen Verbänden zur Förderung von Wohneigentum? Ehemalige Mieter zahlen ihren “Mietbeitrag” dann als Anteilsbeitrag.
Alleinerziehende und m.E. Alleinlebende Es ist beschämend, wie wenig der Staat für Familien mit Kindern macht; noch beschämender ist, dass Alleinerziehende noch weniger Unterstützung erfahren. Wo ist das Umdenken in der Kindererziehung, wie es Frankreich mit einer deutlich höheren Kinderquote vormacht: jedes Kind hat das Recht, einen ganztägigen Hort zu besuchen, so dass der/die Alleinerziehende arbeiten kann.
Mitbürger unter 35 Jahren Alter Wo bleibt die schulische Ausbildung “Lebensgestaltung”, bei der den Schülern Wege zur Lebensplanung aufgezeigt werden? Wo sind Förderprogramme zum Vermögensaufbau – und zwar solche Programme, an denen nicht nur Banken verdienen.
Arbeitslose m.E. Arbeiter 1. Arbeitslosen helfen und Zuwendungen kürzen, so dass Zwang zum Lernen und Arbeiten entsteht; Lernprogramme auflegen; Unternehmensvereinbarungen zur Einstellung von Arbeitslosen treffen

Zudem bezüglich Arbeitslosen: die hilflosen und blöden Seminare für Arbeitslose der BA müssen sofort gestoppt werden! Die betreuenden Mitarbeiter müssen erfolgsbeteiligt bezahlt werden!

2. Arbeiter benötigen ein Schulungsprogramm außerhalb der Unternehmen, beginnend mit persönlicher Talentanalyse, auf die ein individuelles Schulungsprogramm aufgebaut ist

Mitbürger ohne Schulabschluss wo bleibt das “Bildungsdeutschland” – bis auf die weltmeisterliche Sprechblase?

Mal ehrlich: die Spalte “das hat die Politik einzuleiten” wurde nicht von einer großen Fachkonferenz gestaltet, sie entstand mal eben in Minuten. Da mag der eine oder andere sicherlich sagen “ich wüßte da noch …” oder “ich würde die Priorität …”, das ist aber nicht ganz so bedeutend, dass man alles noch besser machen könnte. Aber die Politik hat eben Haushalte der Ostregionen, Mieter, Alleinerziehende und m.E. Alleinlebende, Mitbürger unter 35 Jahren Alter, Arbeitslose m.E. Arbeiter, Mitbürger ohne Schulabschluss nicht auf dem Schirm – und, das muss man allen diesen Damen und Herren sagen: zum Überfluss wählen die genau unsere heutigen untätigen “Volks”parteien, die nichts, rein gar nichts, für sie tun.

Weitere Erkenntnisse aus der Tabelle:

  • bezüglich des Nettovermögens sind Haupt-/Volksschule, Realschule fast gleichwertig; allein die Allgemeine Hochschulreife ist Garant für höheres Nettovermögen
  • das Nettovermögen von Nichterwerbstätigen entspricht in der Größenordnung fast dem Nettovermögen von Angestellten – das wird näher zu untersuchen sein.
  • im Alter von 55 bis 64 ist der Gipfel des Nettovermögens; das heißt, die Lebensplanung ist auf diese Altzersgruppe einzurichten
  • Paare ohne Kinder haben fast nur die Hälfte des Nettovermögens als Paare mit Kindern; damit zeigt sich, wie schlecht der Staat Paare mit Kindern fördert.

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