1.3.2.4 Alterssicherung und Wirtschaftssystem

Unser Wirtschaftssystem muss die Balance zwischen weltwirtschaftlichen Erfordernissen und sozialem Ausgleich erfüllen, um nicht zu einer gesellschaftspolitischen Gefahr zu werden. Die „soziale Marktwirtschaft“ sollte diesen Spagat schaffen, in der auch die Sicherung der Beschäftigten möglich sein sollte. Nur, man sei sich bewusst, nicht das System macht etwas, Menschen machen es. Und Menschen haben aus der deutschen Gesellschaftsordnung eine Unternehmerrepublik gemacht. Der weltwirtschaftliche Sieg des kleinen Deutschland hat die Balance sich opfern lassen. ABER:

“Endlichkeit des Wachstums” ist ein Unwort für Wirtschaftspolitiker, weil Wirtschaftswachstum der Treiber unserer fast geheiligten gesellschaftlichen Philosophie, dem Kapitaismus, schlechthin ist. Seitens der volkswirtschaftlichen Wissenschaft wurde bisher keine Lösung angeboten, die aufzeigt, wie eine Gesellschaft, wie ein Wirtschafts- und Finanzsystem mit nur sehr geringem Wachstum, beispielsweise mit einer Wachstumsrate von 1%, überleben kann. Wir werden in diesem Kapitel und seinen Unterkapiteln

  • Gefahren des Wirtschaftssystems durch Sättigung
  • Gefahren des Wirtschaftssystems durch Überschuldung
  • Gefahren des Wirtschaftssystems durch Umweltzerstörung
  • Gefahren des Wirtschaftssystems durch politische Instabilität
  • Gefahren des Wirtschaftssystems durch Technologie

erkennen, welche Gefahren für die Stabilität unseres Wirtschaftssystems drohen. In einer erweiterten Gesamtschau wurde mit dem Verfahren “Qualtifizierung qualitativer Daten”, QQD ®, folgende Gefahrenpotentiale für die Stabilität der Zukunft abgeschätzt:

  1. Alterung der Bevölkerung
  2. Fehler / Unfähigkeit der Politiker
  3. Gefahren des Wirtschaftssystems durch allgemeine Kriminalität
  4. Gefahren des Wirtschaftssystems durch Beendigung Bargeld
  5. Gefahren des Wirtschaftssystems durch gesellschaftliche Instabilität
  6. Gefahren des Wirtschaftssystems durch Sättigung
  7. Gefahren des Wirtschaftssystems durch Technologie
  8. Gefahren des Wirtschaftssystems durch Überschuldung
  9. Gefahren des Wirtschaftssystems durch Umweltzerstörung
  10. Inflation/Teuerung
  11. Irrungen
  12. Staat konfisziert Vermögen
  13. Staatsverschuldung
  14. Verschuldung Privathaushalte

Das Ergebnis, das heißt, die Prioritätenfolge ergibt sich in dem Verfahren durch einen Vergleich jeweils zweier Gefahrenpotentiale. Daas Ergebnis:

  • Die Wahrscheinlichkeit, dass die 1. Priorität heißt, Staat konfisziert Vermögen liegt bei 9,9%
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass die 2. Priorität heißt, Inflation/Teuerung liegt bei 9,9%
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass die 3. Priorität heißt, Gefahren des Wirtschaftssystems durch Sättigung liegt bei 9,4%
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass die 4. Priorität heißt, Verschuldung Privathaushalte liegt bei 9,4%
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass die 5. Priorität heißt, Fehler / Unfähigkeit der Politiker liegt bei 9,4%
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass die 6. Priorität heißt, Staatsverschuldung liegt bei 7,2%
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass die 7. Priorität heißt, Gefahren des Wirtschaftssystems durch Technologie liegt bei 7,2%
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass die 8. Priorität heißt, Gefahren des Wirtschaftssystems durch Überschuldung liegt bei 7,2%
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass die 9. Priorität heißt, Irrungen bezüglich Lösungen liegt bei 7,2%
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass die 10. Priorität heißt, Gefahren des Wirtschaftssystems durch gesellschaftliche Instabilität liegt bei 5,8%
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass die 11. Priorität heißt, Gefahren des Wirtschaftssystems durch allgemeine Kriminalität liegt bei 5,4%
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass die 12. Priorität heißt, Alterung der Bevölkerung liegt bei 4,5%
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass die 13. Priorität heißt, Gefahren des Wirtschaftssystems durch Beendigung Bargeld liegt bei 4,0%
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass die 14. Priorität heißt, Gefahren des Wirtschaftssystems durch Umweltzerstörung liegt bei 3,6%

Staat konfisziert Vermögen und Inflation/Teuerung stehen ganz oben bei der Gefahreneinschätzung für eine positive Zukunft der Privathaushalte.

Das Konfiszieren von Vermögen wird in Deutschland überaus feinsinnig betrieben und wir haben uns fast daran gewöhnt “abgezockt” zu werden. Fast niemand der Bevölkerung würde einen Politiker oder eine Partei deswegen tatkräftig durch Nichtwahl kritisieren, dass die Bürger wo nur möglich zur Ader gelassen werden.

Warum eigentlich werden die Bürger derart zur Ader gelassen? Weil – aller Propaganda zum Trotz – das Wirtschaftswachstum nicht ausreicht UND die Politik Unternehmer nicht belasten wollen; Argument: eine Belastung wirkt sich auf dem Weltmarkt negativ aus und verringert Verkaufschancen. Mit verringerten Verkaufschancen sind Arbeitsplätze in Deutschland oder gar der Standort Deutschland in Gefahr. Diese Weltwirtschaftsordnung macht alle westlichen Volkswirtschaften zu Unternehmerwirtschaften. Natürlich muss der Staat auf das Bruttoinlandsprodukt schauen und daher ist das Wirtschaftswachstum eine besonders zu beachtende Größe:

eigene Berechnung aus Statistisches Bundesamt, Fachserie 18, Reihe 1.5, 2015, Seite 14
#14 eigene Berechnung aus Statistisches Bundesamt, Fachserie 18, Reihe 1.5, 2015, Seite 14

Die Ausschläge und auch die Extremwerte im BIP vor 1970 waren wesentlich höher, weil die Zerstörung im Kriege den Neuaufbau Deutschlands erforderlich machte. Eigentlich wurde durch die Zerstörung Deutschlands der Grundstein für einen heutigen industriedominanten Staat gelegt! ABER: irgendwann ist ein solcher Aufbau abgeschlossen; die Globalisierung und später die Osterweiterung der EU sollten neben den strategischen (geopolitischen) Segnungen auch Expansionsausgleiche ermöglichen. Es ist zu natürlich, dass das BIP durch den Wandel der Erweiterungsinvestitionen zu Ersatzinvestitionen (geschäftlich und auch privat) einem unteren Grenzwert zustrebt. Man sieht, dass dieser Grenzwert (es ist realiter keine Gerade, die die Entwicklung zeigt, sondern vielmehr eine asymptotische Kurve) bei etwa + 2,5 Prozent liegt.

Verfügbarkeit von Arbeitsstellen bei immer schwächeren Wachstumsraten ist DIE wirtschaftspolitische Herausforderung, die insbesondere bei dem Systemwandel von Handarbeit zur Kopfarbeit auch sehr gut bildungspolitisch geleistet werden muss; Ob der Systemwandel evolutionstheoretisch überhaupt möglich ist, das ist völlig offen. Kein realistisch denkender Mensch wird zustimmen, dass Intelligenz unendlich und bei jedem verfügbar ist, so dass sich die Frage ergibt, entwickelt sich unser Arbeitssystem weg von dem potenziell Möglichen;

Förderung des Wirtschaftswachstums ist in der westlichen Welt zunehmend dadurch entstanden, dass das Wirtschaftswachstum seit 30 Jahren sich laufend abschwächt; Wirtschaftswachstum kommt durch Bedarfssättigung nach Waren und Dienstleistungen. Wo jedoch Bedarfe nicht bestehen, müssen teilweise dirigistische Maßnahmen, die philosophisch begründet werden, Neubedarfe entstehen lassen; Beispiele: Glühlampenverbot, Klimawandel und Maßnahmen daraus.

Was ist die Konsequenz einer dauerhaft geringen Wachstumsquote der Wirtschaft?

Das Okunsche “Gesetz”

Aus Wikipedia folgende Erklärung: Das Okunsche “Gesetz” (auch Okuns “Gesetz”) beschreibt die Korrelation zwischen Produktionswachstum und Arbeitslosigkeit in einer Volkswirtschaft, die erstmals von Arthur Melvin Okun (1928–1980) anhand von Wirtschaftsdaten aus den USA untersucht wurde. Die Hauptaussage des “Gesetz” es besteht darin, dass ein über eine bestimmte Rate hinausgehendes Wachstum, normales Produktionswachstum oder Beschäftigungsschwelle genannt, mit einem Rückgang der Arbeitslosenquote einhergeht. Ist das Wirtschaftswachstum niedriger als das normale Produktionswachstum, steigt die Arbeitslosenquote.
Eine Anmerkung zum Okunschen “Gesetz” sei gestattet: in allen Veröffentlichungen wird das Phänomen, das Okunsche “Gesetz”, geschrieben das Okunsche Gesetz, also ohne die Anführungsstriche bei Gesetz. Warum werden hier die Anführungsstriche gemacht? Aus meiner Sicht ist die Benennung Okunsches “Gesetz” eine verbale Entgleisung, weil begrifflich unterstellt wird, es gäbe eine fixe Gesetzmäßigkeit zwischen Wirtschaftswachstum und Arbeitslosenentwicklung. Realiter ist es aber so, dass man eine Korrelationsanalyse zwischen einer Datenreihe Wirtschaftswachstum und Arbeitslosenentwicklung erstellt hat und voraussetzte, dass

  1. in allen Volkswirtschaften dieser fixe Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Arbeitslosenentwicklung bestünde,
  2. es einen linearen Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Arbeitslosenentwicklung gäbe (Anmerkung: der Korrelationskoeffizient ~0,7 , siehe unten, deutet bereits darauf hin, dass der Zusammenhang nicht unendlich groß ist)  und
  3. Wirtschaftswachstum und Arbeitslosenentwicklung Primärdaten wären (Anmerkung: in dem Kapitel “Gefahren des Wirtschaftssystems durch Technologie” wird der Einsatz der Robotertechnik diskutiert, lesenswert ist in dem Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Robotertechnik eine Analyse von PriceWaterhouseCoopers (PWC) “Ein Drittel aller Arbeitsplätze sind durch Roboter bedroht”).

Also, von Gesetz kann man wirklich nicht sprechen, daher hier die nicht allgemein übliche Schreibweise Okunsches “Gesetz”.

“Zusammen mit der Phillips-Kurve und der Gesamtnachfrage-Funktion beschreibt das Okunsche “Gesetz” die Wechselwirkung zwischen den volkswirtschaftlichen Faktoren Produktionswachstum, Geldmengenwachstum und Arbeitslosigkeit” (Wikipedia).

Es wurde eine Gleichung für die USA gefunden, die für den Zeitraum 1961 bis 2007 die Arbeitskräfteentwicklung sehr gut beschreibt und wahrscheinlich auch für alle westlichen Staaten anwendbar ist, es sei denn, Regierungen würden durch Sondermaßnahmen den Arbeitsmarkt (sozialistisch) steuern. In der folgenden Gleichung sind folgende Parameter:

ut Arbeitslosenquote des Jahres t
u(t-1) Arbeitslosenquote des Jahres vor dem Jahr t
gyt Wirtschaftswachstum des Jahres t

Die Gleichung lautet: ut-u(t-1)=-0,36*(gyt-3,29%)

Wikipedia zeigt auf, wie diese Gleichung realiter sich darstellt:

Quelle: Wikipedia

Man sieht an dem Schnittpunkt der Geraden mit der X- Achse (Wirtschaftswachstum), dass erst ab einem Wirtschaftswachstum von mehr als 3,29 % eine wirkliche Absenkung der Arbeitslosenquote erfolgt. In diesem Chart kann man auch den Korrelationskoeffizienten R² erkennen: ~ 0,7; das bedeutet, dass der Zusammenhang zwischen dem Wirtschaftswachstum und der Arbeitslosenquote 70 Prozent ist. Das ist in der Statistik ein recht guter Zusammenhang, der nachweist, dass diese gefundene Gleichung recht gut die Situation darstellt, wenngleich nicht perfekt.

Wie passt diese Okunsche Theorie zu Deutschland?

Wenn man die Arbeitslosenraten-Veränderung und das Wirtschaftswachstums-Veränderung in Deutschland in der Zeit 1996 bis 2016 ermittelt, dann ergibt sich ein etwas anderes Bild:

Veränderung Wirtschaftswachstum und Arbeitslosigkeit Deutschland 1996 bis 2016, Daten STATISTICA, eigene Berechnung, Skalierung wie bei Prof. Dr. W. Lorenz (siehe unten)

Die Gleichung wurde berechnet: DeltaArblos=0,000249-0,417257*BIP.

Als Korrelationskoeffizient ergibt sich R²=-10,57% , nichts, was sehr große Zuverlässigkeit auszeichnet. Der negative Korrelationskoeffizient erklärt sich daraus, dass mit höherem Wirtschaftswachstum die Arbeitslosigkeit zurück geht (Gegenläufigkeit).

Während für den Zeitraum von Prof. Lorenz ab ~ 3 Prozent Wirtschaftswachstum eine Reduzierung der Arbeitslosigkeit beginnt, beginnt für den Zeitraum 1996 bis 2016 ~ 0,5 Prozent Wirtschaftswachstum eine Reduzierung der Arbeitslosigkeit; das heißt, der Arbeitsmarkt reagiert derzeit (es wird unterstellt, dass die Betrachtung des Zeitraums 1996 bis 2016, Einfluss HARTZ IV, mittelfristig wirkt) sehr viel früher aber auch weniger sensibel auf Veränderungen des Wirtschaftswachstums.

Schauen wir uns die Jahresentwickung an:

Quotient der Veränderung Wirtschaftswachstum und Arbeitslosigkeit Deutschland 1996 bis 2016, Daten STATISTICA, eigene Berechnung

Wir erkennen an dem Schaubild, dass wir 4 Ausreißerjahre hatten; die übrigen Werte liegen relativ dicht um 0 Prozent (Mittelwert -0,11).

Erklärung für die Unterschiede zwischen Okun und der Berechnung: jedes Unternehmen hat gegenüber dem Management die Forderung, jährliche Rationalisierungen durchzuführen, um die Personalkosten nicht stückproportional zu haben. Durch Rationalisierungen werden Wachstumseffekte weniger personalintensiv. Der Mittelwert des Wirtschaftswachstums von 1996 bis 2016 betrug absolut 1,38 Prozent je Jahr ( Median 1,70 Prozent je Jahr), der Mittelwert der jährlichen Veränderung betrug 0,09 Prozent je Jahr. Wenn Unternehmen eine jährliche Rationalisierung von 1,38 Prozent beschäftigungswirksam durchführen, dann ergibt sich genau diese flache Geradensteigung, also kaum ein Effekt. Hinzu kommt sicherlich, dass die Arbeitnehmer- Schutzrechte in Deutschland kurzfristige Personalveränderungen schwerlich zulassen – im Unterschied zu den USA; dieser arbeitsrechtliche Sachverhalt wird auch deutlich in der Beschäftigungsstreuung 1996 bis 2016 von 0,8 Prozent je Jahr.

Wie passt diese Okunsche Theorie zu dieser Zeit – beginnendes 21. Jhd?

Für die Beantwortung dieser Frage muss man einen kleinen Ausflug in die Wissenschaft der Statistik machen (siehe auch Kapitel Statistik): Wer, wie Okun, derartige Gesetzmäßigkeiten meint erkannt zu haben, der betreibt einen gewaltigen Fehler:

  • Gesetzmäßigkeiten sind zeitunabhängig, wäre eine Gesetzmäßigkeit zeitabhängig, dann wäre eine Beschreibung nicht mehr als eine temopräre Analyse
  • Unbewusst implizieren wir, dass das Okunsche “Gesetz” eine fortlaufende Gültigkeit hat; wir betonieren quasi die Marke 3 Prozent als break even ein, ein katastophaler Fehler in der Systematik der Prognostik
  • Bei Prognosen über einen Betrachtungszeitraum hinaus muss, das sagt die Wissenschaft der Statistik, gewährleistet sein, dass die Daten (der Grundgesamtheit) oder die Treiber der Daten (Sachverhalte) dieselben sind, wie sie für den Betrachtungszeitraum herrschten. Methodisch ist es schon unzulässig, von US- Daten auf Deutsche Daten zu schließen (implizit macht man es); methodisch ist es ebenso unzulässig, für den Betrachtungszeitraum 1971 bsi 2001 auf 2016 zu schließen. Warum ist es methodisch unzulässig? Weil sich u.a. die rechtlichen Arbeitsmarktverhältnisse grundsätzlich geändert haben, weil der Mechanisierungsanteil sich grundsätzlich verändert hat, weil sich Arbeits- und Urlaubszeiten grundsätzlich verändert haben, weil die Krankheitsrate sich grundsätzlich verändert hat …

Ich empfehle jedem Okun- Gläubigen sich folgendes Szenario vorzustellen: Jede Arbeitskraft in Deutschland wird durch einen Roboter ersetzt, jede! Was meinen Sie, wie sich die Beschäftigungsrate mit der BIP- Veränderung verändert? Gar nicht! Vielleicht hatte Professor Biedenkopf dieses Szenario vor Augen, als er entsetzten Parteimitgliedern seinen Standpunkt aufzeigte “daß es keinen nachweisbaren Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Beschäftigungsvolumen gibt“, Zitat aus DIE ZEIT von 1986. Vielleicht hatte Professor Biedenkopf seinen entsetzten Parteimitgliedern nicht vorgeworfen, dass das Okunsche “Gesetz” eine Pseudokorrelation ist, ein Sachverhalt, der in der wissenschaftlichen Statistik bekannt ist.

Welche Konsequenz erschließt sich daraus für das Wirtschaftssystem?

  1. Ohne ein hohes Wirtschaftswachstum (mehr als 0,41 % je Jahr entsprechend 0,417257*BIP ) steigt die Arbeitslosenquote in der heutigen Zeit
  2. Mit steigender Arbeitslosenquote in der heutigen Zeit steigt die gesellschaftliche Belastung durch unser soziales Sicherungssystem
  3. Bei einer personalbezogenen Industrierationalisierung in der mittleren Größenordnung des Wirtschaftswachstums ergibt sich natürlich keine Abhängigkeit zwischen Wirtschaftswachstum und Arbeitslosenrate.

Welche Konsequenz erschließt sich daraus für das Rentensystem?

  1. Das Rentensystem kann nicht mehr durch den Staat unterstützt werden
  2. Der Staat wird Wege finden müssen, Transferzahlungen zu reduzieren oder gar zu vermeiden
  3. Der Staat wird Wege finden müssen, die Renten- Auszahlbeträge durch das soziale Sicherungssystem einzugrenzen.

Welche Konsequenz erschließt sich daraus für das Gesellschaftssystem?

  1. Das Vertrauen in das Rentensystem wird fortlaufend geschwächt
  2. Das Vertrauen in das Wirtschaftssystem wird fortlaufend geschwächt
  3. Es entsteht Widerstand gegen das politische System schlechthin.

Das Wirtschaftslexikon Gabler schreibt zum Okunschen “Gesetz”: “Dieser Zusammenhang [Anmerkung: zwischen Wirtschaftswachstum und der Arbeitslosenquote] ist im Gegensatz zu seiner Bezeichnung kein ökonomisches “Gesetz”, sondern eine empirisch beobachtete Regelmäßigkeit, die kurzfristig stabil ist, langfristig allerdings Änderungen unterworfen ist. Auch kann der Zusammenhang zwischen Volkswirtschaften mit unterschiedlichen Arbeitsmarktstrukturen variieren. Der Einfluss der Arbeitslosigkeit auf die gesamtwirtschaftliche Produktion entsteht durch die i.d.R. geringeren Einkommen der Arbeitslosen, die entsprechend weniger ausgeben. Folglich wird besonders der private Verbrauch belastet.” Dieser Hinweis ist absolut richtig, weil die Konstanten, -0,36 und 3,29%, die Situation der USA- Jahre 1961 bis 2007, sowohl wirtschaftlich als auch politisch, darstellen.

Man sage jedoch nicht, dass das Okunsche “Gesetz” für Deutschland nicht anwendbar wäre (wie oben bereits angedeutet):

Prof. Dr. W. Lorenz, Hochschule Harz, 38855 Wernigerode, Friedrichstr. 57-59, Tel. (03943) 659-208, wlorenz @ hs-harz.de, zwischen den Wachstumsraten der Größen BIP, Erwerbstätige, Produktivität und Arbeitszeit besteht ein funktionaler (definitorischer) Zusammenhang

Wir erkennen an den von Prof. Lorenz gefundenen Koeffizienten, dass

  • ab einem Wirtschaftswachstum von etwa 3% positive Arbeitsmarkteffekte eintreten
  • unterhalb einem Wirtschaftswachstum von etwa 3% eine Zunahme der Arbeitslosigkeit entsteht.

Es ist insbesondere zu berücksichtigen, dass in dem von Prof. Lorenz betrachteten Zeitraum die neue Arbeitsmarktpolitik (Agenda 2010, Schröder) sich noch nicht in der Statistik auswirkte. Daher sind die Abweichungen zum Betrachtungszeitraum 1996 bis 2016 zu verstehen.

Es ist beachtlich, dass die Zahlen von Prof. Lorenz mit denen von Okun vergleichbar sind. Bedauerlich ist, dass Lorenz keinen Korrelationskoeffizienten für seine Gleichung angegeben hat; vermutlich wird sein Korrelationskoeffizient nur unbedeutend von dem von Okun abweichen, also auch etwa bei 70 Prozent liegen. Lorenz hebt aber in seinen Ausführungen ausdrücklich hervor, dass die Okunschen Koeffizienten je nach Betrachtungszeitraum schwanken; das zeigt sich auch an der Darstellung 1996 bis 2016.

Wirtschaftswachstum und Arbeitslosenquote

Wenn nun Okun und Lorenz festgestellt haben, dass sich ein guter Zusammenhang darstellen lässt, wenn nun beide feststellen, dass ab einem Wirtschaftswachstum von etwa 3 Prozent ein positiver Arbeitsmarkteffekt durch verringerte Arbeitslosenquote zeigt, dann ist dieser Hinweis schon recht gut

aber

man sollte berücksichtigen, dass die Arbeitslosenquote um so mehr zu einer umkämpften politischen Größe wird, je gravierender soziale Probleme in der Gesellschaft entstehen. Walter J. Williams, “Walter J. ‘John’ Williams was born in 1949. He received an A.B. in Economics, cum laude, from Dartmouth College in 1971, and was awarded a M.B.A. from Dartmouth’s Amos Tuck School of Business Administration in 1972, where he was named an Edward Tuck Scholar. During his career as a consulting economist, John has worked with individuals as well as Fortune 500 companies“, ermittelt auf eigene Weise die US- Arbeitsmarktstatistik:

Link: The ShadowStats Alternate Unemployment Rate for February 2017

Williams zeigt sehr deutlich auf, dass zwischen der von Williams ermittelten Arbeitslosenrate von 22,7 Prozent und der offiziellen Arbeitslosenrate von 5 Prozent ein erhebliches Gap besteht. Ich nenne es politisches Gap; es ist zu vermuten, dass auch in Deutschland solche Unterschiede realiter bestehen.

Für eine seriöse Berechnung der Okunschen Koeffizienten sind derartige statistische Differenzen unzumutbar, so dass eine Aussage über den Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Arbeitslosenquote nicht unkritisch und nur fehlerbehaftet herstellbar ist.

Was bleibt übrig von dem Okunschen “Gesetz”? Zumindest die Aussage, dass erst ab einem höheren Wirtschaftswachstum der Arbeitsmarkt und damit die arbeitende Bevölkerung in der heutigen Zeit profitiert.

Wir sind immer noch in dem Kapitel “Alterssicherung und Wirtschaftssystem” und der Bundeshaushalt der Bundesrepublik Deutschland zeigt, dass erhebliche Transferleistungen in das Rentensystem erforderlich sind. DIE ZEIT schreibt 2014 “In den Industriestaaten lebt der größte Teil der Menschen ab 65 Jahren von staatlichen Transferleistungen, zu denen auch die gesetzliche Rente zählt. Vor allem für den ärmeren Teil der Bevölkerung ist das die Haupteinnahmequelle, wie die Infografik zeigt, die das Statistikportal Statista auf Basis von Zahlen der OECD für ZEIT ONLINE erstellt hat. Insgesamt machen in den OECD-Ländern die Transferleistungen 59 Prozent des Einkommens der über 65-Jährigen aus”.

Woher kommen diese Transferleistungen? Sie kommen aus einem funktionierenden Wirtschaftssystem, genauer, sie werden gezahlt von privaten und juristischen Personen, die in diesem Wirtschafts- und Gesellschaftssystem leben. Also, das darf nicht vergessen werden, so trivial es sich anhört: ein gut  funktionierendes Wirtschaftssystem ist das Fundament eines sozialen Gesellschaftssystems. Viel zu sehr gehen wir alle davon aus, dass dieses Wirtschafts- und Gesellschaftssystem gut funktioniert – nicht nur heute, sondern auch zukünftig. Viel zu sehr gehen wir alle davon aus, dass das, was wir heute in all seinen Ausprägungen erleben auch morgen in all seinen Ausprägungen so sein wird.

Viel zu sehr gehen wir alle davon aus, dass sich nichts ändert und alles stabil bleibt. Das ist jedoch der Kardinalfehler, den Politiker so sehr lieben! Bürger, die unkritisch sind, die die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Risiken nicht sehen, sind höchst willkommen bei den Politikern, weil genau diese Gruppe keine sehr differenzierten und ungemütlichen Fragen stellt. Genau diese Gruppe macht es den Politikern höchst leicht.

Wie zuvor bereits geschrieben, es sind Risiken in dieser real existierenden Welt:

  • Gefahren des Wirtschaftssystems durch Sättigung
  • Gefahren des Wirtschaftssystems durch Überschuldung
  • Gefahren des Wirtschaftssystems durch Umweltzerstörung
  • Gefahren des Wirtschaftssystems durch politische Instabilität
  • Gefahren des Wirtschaftssystems durch Technologie.

Und diese Risiken werden wir uns in den nächsten Kapiteln anschauen. Noch einen Hinweis zu der Benennung “Risiken”. Eine Risikobetrachtung ist nicht destruktiv, nicht zerstörerisch, eine Risikobetrachtung ermöglicht Chancen, Chancen frühzeitig zu erkennen und neue Wege zu erdenken. Ja, ich weiß, das Gegenargument heißt: “warum jetzt”? Antwort: mit jedem Jahrzent wird unsere Welt immer komplexer, so dass es keine einfachen Zusammenhänge ‘hier ist ein Ereignis und das erzeugt jenes Ergebnis’ nicht mehr gibt:

eigene Darstellung: jeder Punkt repräsentiert ein real existierendes Ereignis, das eine unsichere Reihe von Ergebnissen nach sich zieht

Wenn die von vielen verteufelten 68er, jene also, die 1968 jung und geistig fit waren, etwas der Gesellschaft Wichtiges hatte vermitteln wollen, so dieses: alles hängt mit allem zusammen. Das Problem dieser Erkenntnis ist nur, kein Mensch, kein Computer wird mit dieser komplexen Interdependenz fertig werden – wir scheitern an der Vielfalt. Und wenn wir zudem berücksichtigen, dass der Zusammenhang zwischen Ereignis und Ergebnis nicht mit einer Wahrscheinlichkeit von 1,0 versehen ist, so zum Beispiel bei Okun 0,7, dann wird einem bewusst, wie unscharf wir in der Lage sind, die Zukunft vorherzusagen, abzubilden. Also nun im Folgenden die Differenzierungen, die unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem bedrohen und damit auch die Alterssicherung in Gefahr bringen:

1.3.2.4.1 Gefahren des Wirtschaftssystems durch Sättigung
1.3.2.4.2 Gefahren des Wirtschaftssystems durch Überschuldung
1.3.2.4.3 Gefahren des Wirtschaftssystems durch Umweltzerstörung
1.3.2.4.4 Gefahren des Wirtschaftssystems durch politische Instabilität
1.3.2.4.5 Gefahren des Wirtschaftssystems durch Technologie

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