1.3.2.5 Globalisierung

Globalisierung sollte den Unternehmen Freiräume ermöglichen, so dass auf den Unternehmens- Heimatmärkten eine gesündere Unternehmensstruktur entsteht und damit Arbeitsstellen gesichert werden. Dass Globalisierung, aber auch die Ausweitung Europas nach Osten, in einen Bereich sehr geringer Wirtschaftskraft dazu führte, dass Handarbeit ausgegliedert wurde, weil die Lohnarbeit in anderen Nationen günstiger zu haben ist, muss hinsichtlich der Konsequenzen, Systemwandel von Handarbeit zur Kopfarbeit, erwähnt werden.

Die USA spüren die Auswirkungen der Globalisierung äußerst heftig: Millionen Arbeitsplätze sind nach Mexiko und Asien ausgewandert. Es wurden von Unternehmen in den Staaten Werke aufgebaut oder Zuliefererbetriebe in Mexiko, Südamerika und Asien gefunden, die wegen geringerer Kosten eine Produktion in den USA hinfällig machten – Werke oder Werksteile wurden in den USA geschlossen. Bezogen auf unser Thema “Alterssicherung” war die Konsequenz für Beschäftigte eine Kette des Niedergangs:

1. Schließung des Produktionsbereichs
2. Bestenfalls: Angebot einer Ausweich- Arbeitsstelle, schlechtestenfalls (normal): Kündigung, Arbeitslosigkeit
3. Wenn Ausweich- Arbeitsstelle, dann oft schlechter qualifizierte Arbeit mit deutlich geringeren Stundenlöhnen
4. Wenn Kündigung, Arbeitslosigkeit, dann Arbeitssuche; oft schlechter qualifizierte Arbeit (Supermarkt – Regale auffüllen) mit deutlich geringeren Stundenlöhnen

mit folgenden Konsequenzen für den Betroffenen Mitarbeiter:

5. Geringerer Stundenlohn => geringere persönliche Nachfrage oder Käufe auf Kredite, geringere Rückstellungen für das Alter
6. Geringere Nachfrage => Veralterung Haushaltsgüter, sozialer Abstieg
7. Geringere Rückstellungen für das Alter => Arbeitsnotwendigkeit im Alter (Hinzuverdienst) meist jedoch Leben auf niedrigerem Level (Altersarmut)

mit folgenden Konsequenzen für Unternehmen:

8. Geringere persönlicher Nachfrage => Absenkung des Umsatzvolumens auf dem Heimatmarkt (in der Globalisierung existiert eigentlich kein Heimatmarkt, weil der Erdball “Heimat” ist
9. Absenkung des Umsatzvolumens auf dem Heimatmarkt => Entlassungen zunächst bei den direkten Mitarbeitern, Streichen von Aufträgen bei heimischen Zulieferern, Personalreduzierungen bei den indirekt Beschäftigten (Hilfsbetriebe, Angestelltenbereich)
10. Entlassungen => strategische Unternehmensverlagerungen; Kernbereiche verbleiben auf dem “Heimat”markt, mehr nicht

mit folgenden Konsequenzen für den Staat:

11. Absenkung des Umsatzvolumens auf dem Heimatmarkt => geringere Staatseinnahmen => höhere Fremdfinanzierung des Staates (Anleihen)
12. Geringere Staatseinnahmen => höhere Fremdfinanzierung (Verschuldung) des Staates (Anleihen)
13. Höhere Fremdfinanzierung des Staates (Anleihen) => höhere Zinskosten bei gleichzeitig geringeren Staatseinnahmen
14. Unternehmens- Ausgliederungen, Restriktionen bei Sozialkosten => innerpolitische Unruhen drohen, Zweifel am Kapitalismus.

Die wirklichen Probleme der Globalisierung liegen viel tiefer:

  • Jede Hochtechnologie- Volkswirtschaft verkauft Hochtechnologie an Volkswirtschaften mit niederem Technologiegrad und geringerem Lebenshaltungsniveau. Dadurch entsteht jährlich vermehrte Produktionskapazität in Schwellenländern und wenig entwickelten Ländern.
    • Schwellenländer und wenig entwickelten Staaten wollen eingekaufte Produktionskapazität nutzbringend für deren Staaten einsetzen (Nutzungsgrad steigern)
      • den Nutzungsgrad zu steigern funktioniert dadurch, dass Staaten gute Rahmenbedingungen zu Industrieansiedlungen erlassen, so dass Unternehmen gern sich dort ansiedeln
  • so kommt es, dass inzwischen der Konkurrenzkampf über Unternehmens- Rahmenbedingungen zwischen den globalen Staaten eingesetzt hat. So zum Beispiel schrieb unlängst n-tv “Vorteil für deutsche Firmen – Indien beschließt gewaltige Steuerreform”. Industrieansiedlungen sind nie neutral – es gibt bei diesem harten Spiel Gewinner und Verlierer. Langfristig Verlierer sind eindeutig jene Gesellschaften mit hohem Lebensstandard.

Man kann Globalisierung mit einer Schlangengrube vergleichen: es überlebt derjenige, der am Stärksten oder am Trickreichsten ist – was manchmal sich als gegensätzlich herausstellt.

1.3.2.5.1 Globalisierung, die letzte Lösung des verhungernden Kapitalismus

Man sieht die vorgeblichen Segnungen der Globalisierung können gravierende Folgen haben und eine Prozesskette in Bewegung bringen, die bis zum letzten Bürger durchreicht. Momentan (2016) leben wir in einer Phase der Niedrigverzinsung, weil

a) die geringere persönliche Nachfrage nach Gütern (!) die Staatseinnahmen senken
b) das Zinseszinssystem bei hoher Verschuldung Staaten in den Bankrott treibt
c) der Kapitalismus als wirtschaftspolitisches System gegenüber konkurrierenden politischen Systemen überleben soll.

Wenn Müntefering dieser Tage lauthals verkündet, “die Agenda sichere die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. So gelte es vielmehr, sie auch auf andere Länder der EU zu übertragen”, dann wird deutlich, wer die vorgeblich blühende Landschaften in Deutschland zahlt: der normale Arbeitnehmer mit total unangemessen niedrigem Einkommen. Wer industrieerfahen ist, wird nachvollziehen können, wovon hier die Rede ist: eine internationale Wettbewerbsfähigkeit hat vier wesentliche Parameter:

  1. die richtigen Produkte für die jeweiligen Kundenbedürfnisse
  2. die richtigen Produkte in der richtigen Qualität
  3. die richtigen Produkte zu für den Kunden bezahlbaren Preisen
  4. für die richtigen Produkte den richtigen Service.
  • Im 21. Jahrhundert können sehr sehr viele Staaten die richtigen Produkte für die jeweiligen Kundenbedürfnisse entwickeln; die Wissenschaft ist so transparent, dass fast jeder fast alles kann
  • Im 21. Jahrhundert können sehr sehr viele Staaten die richtigen Produkte in der richtigen Qualität herstellen; die Produktionsqualität ist so transparent, dass fast jeder fast alles kann
  • Die richtigen Produkte zu für den Kunden bezahlbaren Preisen, das muss sehr deutlich untersucht werden und dazu muss man in die Kalkulation von Produkten einsteigen. Wesentliche Kalkulationselemente sind:a) Materialpreis
    Der Materialpreis wird an den weltweiten Börsen festgelegt; eine Tonne Stahl kostet in erster Näherung in Indien so viel wie in Deutschland, sofern keine Zusatzkosten durch etliche Handelsstufen bestehen.
    b) Personalkosten
    Die Personalkosten sind das Zünglein an der Waage der Kalkulation. Die Personalkosten repräsentieren in erster Linie den Lebensstandard des jeweiligen Landes/der jeweiligen Region. Ich habe selber in China ein Unternehmen analysiert, das einen Vollkosten- Stundensatz von 0,27 Eurocent hatte (in Deutschland sind es rund 30 Euro, also rund 100 mal mehr).
    c) Finanzkosten
    Die Personalkostendifferenz ist entscheidend für den Finanzeinsatz. In hochentwickelten Industriestrukturen müssen die relativ (!) hohen Personalkosten durch eine verstärkte Mechanisierung/Automatisierung aufgefangen werden (Stückkostenrechnung). Was also an Effizienzgewinn durch Automatisierung bei relativer Personalkostensenkung je produzierter Einheit erzielt wird, wird teilweise durch die erhöhten Finanzkosten kompensiert.
    Anders gesagt: die Personalkosten- Differenzen fördern die stetig steigende Vormacht des Finanzsektors.
    d) Umfeldkosten
    Infrastruktur, alle Energiekosten, alle Gemeinkosten des Staates müssen aufgebracht werden; dazu werden Steuern und Abgaben erhoben, die um so höher sind, je komplexer eine Gesellschaftsstruktur gewachsen ist.

Was leitet sich für Unternehmen daraus ab? Es müssen die Personalkosten so niedrig wie möglich gehalten werden (bei gleichzeitiger Hochtechnologisierung), um am Markt global bestehen zu können. Genau das hat Gerhard Schröder im Jahre 2000 erkannt und die Agenda 2020 installiert. Mit der Agenda 2020 sind dann auch die Löhne deutlich relativ heruntergefahren worden. Der SPIEGEL schreibt im Jahre 2010: “Ein großer Teil der Beschäftigten verfügt heute über eine geringere Kaufkraft als vor 20 Jahren. Das geht aus einer Untersuchung der Gehälter in den 100 häufigsten Berufen hervor. Die Einbußen im Vergleich zu 1990 liegen bei bis zu 50 Prozent.” Im Jahre 2016 hat sich dieser Trend erhalten. Die FAZ schreibt: “Die rückläufige Lohn- und Gehaltsentwicklung ist damit die Kehrseite des erfreulichen Beschäftigungssaldos Deutschlands” – und in diesem Satz wird nicht nur deutlich, dass der Verlierer der Globalisierung die Arbeitnehmer sind, in diesem Satz wird deutlich, woran es in der Öffentlichkeit krankt: an Wissen. Man redet von einem “erfreulichen Beschäftigungssaldo Deutschlands” und vergißt bewusst zu erwähnen, dass dieses erfreuliche Beschäftigungssaldo Deutschlands bezahlt wurde durch – ja – Sklavenarbeit, weil das System so weiterlaufen muss.

1.3.2.5.2 Europazentralisierung, die vorletzte Lösung des verhungernden Kapitalismus

Wie sehr der Kapitalismus am Ende ist, kann man an den derzeitigen Überlegungen sehen, die dahin gehen, dass selbst bei Kleinsparern hohe Negativzinsen anfallen; die herrschende Politik will die Bürger gedanklich führen: es hat keinen Zweck zu sparen, wer spart, der verarmt sich. Besser ist Produkte zu kaufen, dann habt Ihr im Leben auch etwas davon. Dass das Vorsorgesparen dem Ziel des Erhaltes des Kapitalismus geopfert wird, sollte einem bewusst werden.

Die Presse.com schreibt über ein Zitat von Angela Merkel im deutschen Bundestag: “„Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt.“ Es gibt derzeit wohl keinen Satz, der den Menschen mehr auf die Nerven geht als dieser. Wie, fragen sich die Millionen Bezieher schmaler Gehälter oder Pensionen, sollen wir über unsere Verhältnisse gelebt haben – vielleicht, indem wir uns einmal jährlich zwei Wochen Urlaub all-inclusive geleistet haben oder alle paar Jahre eine neue Waschmaschine, wenn es die alte nicht mehr gemacht hat? Und das soll „über unsere Verhältnisse leben“ sein?”
Nein, das ist nicht der Punkt, dass wir alle paar Jahre eine neue Waschmaschine kauften. Der Punkt ist, dass der Ausstattungsgrad der Privathaushalte mit für den Bürger als nützlich und die Lebensqualität steigernde Produkte so hoch ist, dass wir von einer Marktsättigung sprechen müssen. Eine Marktsättigung generiert lediglich Ersatzinvestitionen, keine Neuinvestitionen! Daher kann man das Zitat von Angela Merkel „Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt“ als Zwischenergebnis des Standes des Kapitalismus auffassen.

Auch die politischen Stellen in Brüssel wissen, dass die alte Form – Produktion auf dem Heimatmarkt – sich dem Ende zuneigt. Daher hatte die EU eine Empfehlung herausgegeben, die Produktionswirtschaft soll langfristig in eine Dienstleistungswirtschaft umgebaut werden. Anders gesagt: wer heute an einer CNC- Produktionsmaschine steht, soll morgen in einem Reisebüro Reisen verkaufen. Statistiken zeigen, wir sind auf dem besten Wege, uns gegenseitig heiße Luft zu verkaufen!

Eine weitere EU- Strategie wird laufend fortbetrieben: die Erweiterungen zum Osten sind nicht allein geostrategisch begründet,

  • sie dienen in der ersten Phase dazu, dass die hochentwickelten Länder Europas eine billige verlängerte Werkbank haben; es ist abschätzbar, dass dieser Zeitraum etwa 50 Jahre braucht, bis die technologisch rückständigen Länder/Regionen aufgeholt haben
  • sie dienen in der zweiten Phase dazu, dass die Bevölkerung auf den Lebensstandard der hochentwickelten Länder Europas kommen solle und damit eine gewaltige Güterabsatzmenge zu erwarten ist.

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