1.2.1.7 Wahrheit und Irrungen – unendliches Wachstum

Da schreibt Prof. Dr. Thorsten Polleit folgenden Absatz (Link): “Das Absenken der Zinsen löst bekanntlich eine Wirtschaftsexpansion aus, die allerdings auf einem trügerischen Anreiz beruht. Investitionen werden in Angriff genommen, für deren Verwirklichung die Ersparnisse nicht ausreichen. Die Volkswirtschaft beginnt, auf Pump und damit über ihre Verhältnisse zu leben. Die märchenhafte Reichtumsillusion verpufft, sobald die Zinsen wieder ansteigen, und aus dem Boom droht ein Abschwung (“Bust”) zu werden.”

Polleit, Professor, behauptet, dass niedrige Zinsen eine Wirtschaftsexpansion nach sich zieht.

Welch ein verkürzender Unsinn! Wahr ist, “bekanntlich”, dass jeder dieses Glaubensbild nachplappert, auch der hoch dekorierte Polleit. Dieser volkswirtschaftliche Glaubenssatz galt noch zu einer Zeit, als der Markt recht ungesättigt war, als Unternehmen ihre Produkte massenhaft verkaufen konnten. In diesen Zeiten war eine Erweiterungs- und Ersatzinvestition doppelt nutzvoll: nicht nur konnten erweiterte Produktionskapazitäten erstellt werden, diese neuen Produktionskapazitäten waren auch wirtschaftlicher, weil jeweils neueste Technologie Stückkostensenkungen mit sich brachten.

Nur, die gleißende Nachfrage besteht heute nicht mehr

  • zu wenige Kinder
  • Sättigung der Haushalte mit Waren (siehe DESTATIS)
  • ältere Menschen brauchen nicht so viel Neues
  • mangelnde Innovationen an Gebrauchsfähigem.

Im April 2017 wurde von der Bundesregierung ein Programm aufgelegt, durch das Innovation in Deutschland gefördert werden sollen. Man denkt auch über US- ähnliche Think Tanks, also Institutionen zur Entwicklung von Innovationen, in Deutschland nach. Dieses Förderprogramm zeigt, was auf dieser Seite mehrfach gesagt wurde: Wirtschaftsentwicklung kann nur durch Innovationen an Gebrauchsfähigem (Massenprodukte) kommen.

Wenn nun Anfang 2017 der n-tv schreibt “Das deutsche Wachstum veranschlagen die Fachleute für die nächsten Jahre moderat auf durchschnittlich eineinhalb bis eindreiviertel Prozent pro Jahr, wie aus IWF-Kreisen am Freitag verlautete”, dann  wird den Mitbürgern so viel Sand in die Augen gestreut, noch ein paar Jahre, dann werden sie nichts mehr erkennen können: 1,5 % Steigerung – diese Zahl ist ein Dokument des steten und sicheren Untergangs der arbeitenden Klasse, weil man wie Wirtschaftsentwicklung der betrieblichen jährlichen Rationalisierung gegenüberstellen muss. Geht man davon aus, dass 50 Prozent der jährlichen Rationalisierung personalwirksam ist, berücksiche ich eigene Industrieerfahrungen mit jährlichen Rationalisierungsquoten von ca. 3 bis 5 Prozent, so werden Wirtschaftsentwicklungen unterhalb von 3 Prozent zur Personalmaßnahmen führen, das heißt, der Arbeitsmarkt kann nur noch vermindert Arbeitsplätze anbieten. Die heutige Art Wirtschaftssystem hat sich pervertiert: wir kämpfen nur noch in der Weltglobalisierung um unsere Lebensexistenz und haben realiter KEINE Chance, diesen Kampf zu gewinnen.

Wenn es in einem Artikel der Süddeutschen ZeitungAdidas lässt Schuhe komplett von Robotern herstellen” heißt, “Wo in anderen Fabriken Nähmaschinen rattern, surren hier Roboter, deren Arme Turnschuhe wie Trophäen halten”, dann erkennen wir das Drama, das sich beginnend abspielt. Schauen Sie in die Automobilindustrie, zum Beispiel die Halle 54 von Volkswagen, dann sehen Sie, in sehr vielen Branchen findet der Abbau der körperlichen Arbeit statt. Und was machen die ehemals dort Beschäftigten? Das Handelsblatt beschrieb es bestürzend über unser Vorzeigeland USA: “Ich tue was immer nötig ist, um Arbeit zu finden. Aber es gibt keine, beteuert sie. 23 Jahre lang hat sie ununterbrochen gearbeitet, zuletzt für ein Gehalt von 65 000 Dollar. Jetzt sind die Ersparnisse aufgebraucht, die Arbeitslosenhilfe läuft aus, und sie steht bei der “Food Bank” zum Essen an: “Entwürdigend” sei das.”

Es ist ein Totalversagen der Fagebiete Volks- und Betriebswirtschaft, dass es kein wirtschaftspolitisches Modell gibt, in dem sehr geringe Wirtschaftswachstumsraten bestehen und dennoch Beschäftigung und Wohlstand erhalten bleibt.

Bestehendes Alternativmodell: Frauenbeschäftigung soll Familieneinkommen stärken und damit die Privatnachfrage verbessern

Das sind die Versuche, das Wirtschaftswachstum auf ein Neveau oberhalb der durchschnittlichen Rationalisierungsquote der Industrie (der Gesellschaft) zu bringen:

  1. Verbote der Brüsseler Kommission zu Güterprodukten (Glühlampenverbot, Staubsaugerverbot, Ächtung Verbrennungsmotoren …) —> gescheitert, weil teilweise unbezahlbar
  2. Intensivierung der Frauenarbeit, damit mehr finanzielle Mittel in den Familien sind und eher Güter gekauft werden —> gescheitert, weil die Kinderquote ständig sinkt und damit auch die zukünftige Nachfrage
  3. Intensivierung der medizinischen Versorgung und Längerlebigkeit der Menschen zur vermehrten Nachfrage —> gescheitert, weil das soziale Sicherungssystem crasht
  4. Massenmigration, die die private Nachfrage anheizt —> gescheitert, weil teilweise unbezahlbar, teilweise undurchführbar (dazu verwenden Wirrköpfe gern das Thema Integration)
  5. Zinssystem auf Null herunterfahren, um die Menschen zu Ausgaben zu verführen (sparen lohnt sich nicht) —> gescheitert, weil Bürger, die die Mittel zum Kauf haben, ohnehin schon alles haben .

Die reißerische Internetseite mmnews.de brachte einen Beitrag “Deutschland stirbt aus” und dort findet sich zum Thema Massenmigration folgende Darstellung: “Deutschland hat jahrzehntelang den Geburtenmangel mit Immigration kompensiert. Das waren die Zeiten der deutschstämmigen Rückkehrer aus dem Osten. Danach kamen die Polen und Balten, die diese Lüken füllten … Die von der Bundesregierung „zugeteilten“ Flüchtlinge der letzten großen Flüchtlingswelle können diese Lücke nicht oder nur mangelhaft schließen, meint der zuständige Koordinator Uwe Schulze. Gerade ein Drittel dieser Flüchtlinge sind „arbeitsfähig“. Sprachliche Barrieren, Unverständnis der westlichen (Arbeits-) Kultur, religiöse und ethische Unterschiede und mangelnde handwerkliche Qualifikationen verschärfen die Probleme noch.”

Und nun kommt der Überflieger:

6. Weltklimakatastrophe, die einen gigantischen Umbau und babylonische Investitionen erfordern wird —> noch nicht gescheitert, weil Egozentriker der Weltklimakatastrophe sich in einem Meer von informationell Verirrten schwimmen.

Ich würde sagen: “Das Absenken der Zinsen in einem von Produkten ungesättigten Markt löst bekanntlich eine Wirtschaftsexpansion aus, wenn die Wirtschaftlichkeit der Investitionen unternehmensintern nachgewiesen wird.”

Was ist so schlimm daran, dass das Wirtschaftswachstum nicht ausreichend ist? n-tv schreibt die Meldung: “Im Sommer steigt ihre Wirtschaftsleistung lediglich um 0,2 Prozent.” Das Problem daran ist, dass wenn das Wirtschaftswachstum kleiner ist als das Produktivitätswachstum, ein Arbeitsmarkt an Arbeitsstellen verliert.

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