1.4.2 Alterssicherung und Wirtschaftsliberalität

Gut, als diese Zeilen begonnen wurden, war Trump noch nicht Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Man muss feststellen, dass nun zu Beginn des Jahres 2017 eine neue Ära in der Entwicklungsgeschichte der Welt besteht. Unter dem Leitmotiv “Amerika zuerst” wird die gesamte US- Politik umgebaut:

  1. Trump erkennt die Gefahren des Islam und will durch Einreiserestriktionen die USA schützen
  2. Trump hat als US- Bürger und Unternehmer oft genug erlebt, dass die USA immer mehr eine verarmte und total verschuldete Schicht hat; die private Nachfrage nach Gütern wird überwiegend mit Krediten getätigt – eine höchst gefährliche Situation; Trump hat dafür die Liberalität als Schuldigen ausgemacht und schottet die USA ab.

Die FAZ titelte zusammenfassend: “Deutschland droht ein „Horrorszenario“ durch die Handelspolitik des neuen amerikanischen Präsidenten, sagt Ifo-Chef Clemenst Fuest. Einer seiner Kollegen fügt düster hinzu: Die liberale Weltordnung wird in Frage gestellt.“ Warum droht Deutschland ein „Horrorszenario“? Weil der Arbeitsmarkt, weil die gesamte Industriepolitik auf Export ausgerichtet ist. Mit Stärkung der Exportfähigkeit der USA wird Deutschland Einschnitte im Export hinnehmen müssen. Mit der Trump’schen Strategie, ausländische US- Investitionen in die USA zurückzuführen, sind ein Teil der 600.000 Arbeitsplätze amerikanischer Unternehmen in Deutschland in Gefahr. Mit der Steigerung der Zinssätze aufgrund höherer Staatsschulden der USA zum Zwecke der Investitionen in die USA Infrastruktur wird weltweit das Zinsniveau nach oben gehen; verschuldete Staaten werden für ihre Kredite letztlich so viel zahlen, dass deren Existenz in Gefahr ist (der IWF verkündete bereits, dass die Griechenland- Kredite bsi 2070 laufen sollten); auch Deutschland wird für die ca. 3 Billionen Euro Schulden tief in die Tasche greifen müssen.

Es zeigt sich ein weiteres Faktum: die deutsche Exportleistung ist nur deshalb möglich geworden, weil die SPD und nachfolgend auch die CDU die Masseneinkommen auf dem Niveau von 1991. Das Statistische Bundesamt schreibt: “Im Jahr 2007 lag das Arbeitnehmerentgelt in der Summe bei 1 181,0 Mrd. Euro und damit um gut 39 % höher als im Jahr 1991 (847,0 Mrd. Euro). Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen
haben sich in diesem Zeitraum mit + 86 % auf 643,2 Mrd. Euro im Jahr 2007 (1991: 345,6 Mrd. Euro) deutlich stärker erhöht”. Was aber helfen 39%, wenn die Teuerungsrate 1991 bis 2007, also innerhalb von 16 Jahren,  um 27,62946443% insgesamt angestiegen istMarkus M. Grabka und Jan Goebel schreiben in einer Darlegung: “Die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte in Deutschland sind von 1991 bis 2014 real, also unter Berücksichtigung der Preisentwicklung, um zwölf Prozent gestiegen [Hinweis: legt am die veröffentlichten Teuerungsraten zugrunde, ergibt sich zwischen 1991 und 2014 eine gesamte Teuerung von 34,90751588%]. Das zeigt die vorliegende Studie, die auf Daten der Längsschnittstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) basiert. Die Entwicklung verlief jedoch je nach Einkommensgruppe sehr unterschiedlich: Während die mittleren Einkommen um mehr als acht Prozent stiegen, legten die höchsten Einkommen um bis zu 26 Prozent zu. Die unteren Einkommen gingen hingegen real zurück. Folglich hat die Einkommensungleichheit insgesamt zugenommen”.

Die unteren Einkommen haben die Prosperität der Exportnation Deutschland mit unzureichenden Einkommenszuwächsen bezahlt; diese haben allein ermöglicht, dass Deutschland überaus kostengünstig auf dem Weltmarkt sich ausbreiten konnte. Dass die unteren Einkommen auch gleichzeitig in die Altersarmut rutschen, dass diese Gesellschaft sich nicht schämt, diese soziale Ungerechtigkeit, deren Ausgang korrupte Gewerkschaftspolitik hat, auszugleichen, das ist das nachhaltige Drama, das sich unter anderem auch durch stetig steigende politische Instabilität bemerkbar machen wird.

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