2.3.3 Welche Preissteigerung für unsere gesamten Ausgaben

Preissteigerung – ein Wirrwarr an Begriffen wird politisch gefördert; Inflation, Headline Inflation, Kerninflation, Kerninflationsrate 2, Gefühlte Inflation, Preissteigerung, Lebenshaltungskosten Index, Verbraucherpreisindex, Harmonisierte Verbraucherpreisindizes, Teuerungsrate und im Zusammenhang damit auch Hedonische Preisbereinigung – diese verwirrenden Begriffe finden sich für das, was eigentlich nur den Bürger mit seinem Geldbeutel spürt: er muss mehr bezahlen für dieselbe Leistung. Die begriffliche Verwirrung ist politisch gewollt, weil es doch furchtbar ist, wenn Mitbürger qualifiziert mitreden und eigenständige Positionierungen einnehmen können. Was uns Bürger interessiert ist ein Index, der das tägliche Leben mit all seinen Hauptkosten abbildet.

Das Statistische Bundesamt erläutert in einem Monatsbericht mit dem Titel “Statistisches Bundesamt, Verbraucherpreise, 2017” folgendes: “Der Verbraucherpreisindex für Deutschland misst die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte für Konsumzwecke kaufen. Darunter fallen zum Beispiel Nahrungsmittel, Bekleidung und Kraftfahrzeuge ebenso wie Mieten, Reinigungsdienstleistungen oder Reparaturen. Nach dem Inlandskonzept werden alle Ausgaben berücksichtigt, die in Deutschland getätigt werden, das heißt neben den Ausgaben von beispielsweise Single-Haushalten, Ehepaaren, Familien oder Rentnerehepaaren auch die Ausgaben ausländischer Touristinnen und Touristen. Die Veränderung des Verbraucherpreisindex zum Vorjahr wird umgangssprachlich auch als Inflationsrate bezeichnet.”

Schaut man in die Daten Statistisches Bundesamt, Verbraucherpreise, dann liest man zum Beispiel für das Jahr 2001:
2001 JD 87,4
2002 JD 88,6

und wer nun rechnet, der findet, dass von 2000 auf 2001 die Verbraucherpreise um 1,98% und von 2001 auf 2002 die Verbraucherpreise um 1,37% gestiegen sind. Spätestens hier müssten bei jedem die Alarmglocken klingeln:

  • über welche Verbraucherpreise redet das Statistische Bundesamt?
  • woher kennt das Statistische Bundesamt das Verbrauchsverhalten der Familie Meier?
  • woher weiß das Statistische Bundesamt, wo Familie Meier einkauft beziehungsweise welche Einkaufsstrategie Familie Meier hat?
  • woher weiß das Statistische Bundesamt, ob Familie Meier die Stromkosten durch Anbieterwechsel gesenkt hat?

All das weiß das Statistische Bundesamt nicht! Was aber das Statistische Bundesamt weiß, das ist die Erkenntnis aus Haushaltsbefragungen, die mit großem Jahreszeitsprung erhoben  werden (Microzensus). Eine solche bundesweite Befragung kann aber nicht individuelle Besonderheiten abdecken. Welche Fehleranteile finden sich durch die Haushaltsbefragungen?

1. Fehlerinhalt: qualitative Ausgabenbestandteile des Haushaltes

Naiverweise könnte man nun darauf kommen und sagen: um meine Preissteigerung zur langfristigen Lebenshaltung zu berücksichtigen, nehme ich einfach den Verbraucherpreisindex für Deutschland des Statistischen Bundesamtes Deutschland und dann habe ich alles, was ich will. Weit gefehlt: auf telefonische Rücksprache beim Statistischen Bundesamt wurde mitgeteilt, dass diese Kennzahl nicht dazu gedacht ist, die Kostensteigerung eines Individualhaushaltes abzudecken. Natürlich kann das Statistische Bundesamt die Mietsteigerungen Ihrer Wohnung, die im Villenviertel von München liegt, genauso wenig abdecken, wie die Mietwohnung in einem sozial schwachen Wohngebiet mit Wohnungen des Sozialen Wohnungsbaus; wer dann in die Preissteigerungsrate von 2016 mit 0,47% schaut und weiß, dass seine Mieterhöhung zu einer Kostensteigerung von 18% führte, der ist total verwirrt. Natürlich kann das Statistische Bundesamt die Mobilitätskosten nicht für Ihren konkreten abbilden Haushalt abbilden, weil das Statistische Bundesamt nicht wissen kann, dass Sie gar kein Auto haben und Ihre Wege mit dem Öffentlichen Nahverkehr erledigen.

Auch kann das Statistische Bundesamt nicht wissen, dass Sie als sehr alter Rentner sich gar nicht an einen PC oder an das Internet trauen, Sie also diese Kosten(steigerungen) gar nicht haben.

2. Fehlerinhalt: quantative Ausgabenbestandteile des Haushaltes

Auch kann das Statistische Bundesamt nicht wissen, dass Sie täglich bei einem Luxusrestaurant mit einer deutlich abweichenden Preissteigerungsrate zu Mittag und Abend essen.

Ja wie rechnet denn das Statistische Bundesamt? Das Statistische Bundesamt definiert einen Warenkorb, dessen Inhalt sich vorgeblich an den Ausgabenpositionen der Haushalte orientiert.

Also, auch der Warenkorb berücksichtigt nicht IHR speziellen Ausgabeverhalten. Das Statistische Bundesamt kennt die Schwachstelle und hat eine persönliche Berechnung der Preissteigerung ermöglicht:

persönlicher Preissteigerungsrechner – StatBuAmt, klicken Sie auf das Bild und Sie kommen zu dieser Seite des Statistischen Bundesamtes

Wenn Sie also Ihre individuelle Preissteigerungsrate ausrechnen wollen, ist eine umfangreiche Datenerhebung über Monate oder gar über Jahre (bei langlebigen Gütern) erforderlich; außerdem müssen Sie die prozentualen Kostenanteile händisch ausrechnen – alles nicht einfach. Alternativ können Sie natürlich auch die Anteile abschätzen und dann über die Schieberegler einstellen; Tipp: die Position “Rest” sollte möglichst klein sein. Würden Sie sich dieser Mühe unterziehen, dann bekommen Sie ihre individuelle Preissteigerungsrate, die jedoch nur für den Zeitraum gilt, für den Sie die persönliche Datenerhebung betrieben haben.

Es ist halbwegs realistisch, mit einer Preissteigerungsrate (Währungsreform o.ä. unberücksichtigt) von 2,00 % bis 2,30 % je Jahr zu rechnen. Worst case: 2,5 %.

Nehmen wir an, die Zahl aus der Beispielsrechnung des mittelständischen Haushaltes, die monatlichen Kosten betragen 5.709,03 Euro.

Wie entwickeln sich diese 5.709,03 Euro unter Berücksichtigung der Preissteigerungsrate von 2,3 %?

Jahr Kosten
2017 4.756,53 Euro/Monat
2018 4.865,93 Euro/Monat
2019 4.977,85 Euro/Monat
2020 5.092,34 Euro/Monat
2021 5.209,46 Euro/Monat
2022 5.329,28 Euro/Monat
2023 5.451,85 Euro/Monat
2024 5.577,24 Euro/Monat
2025 5.705,52 Euro/Monat
2026 5.836,75 Euro/Monat
2027 5.970,99 Euro/Monat
2028 6.108,33 Euro/Monat
2029 6.248,82 Euro/Monat
2030 6.392,54 Euro/Monat
2031 6.539,57 Euro/Monat
2032 6.689,98 Euro/Monat
2033 6.843,85 Euro/Monat
2034 7.001,26 Euro/Monat
2035 7.162,29 Euro/Monat
2036 7.327,02 Euro/Monat
2037 7.495,54 Euro/Monat
2038 7.667,94 Euro/Monat
2039 7.844,30 Euro/Monat
2040 8.024,72 Euro/Monat
2041 8.209,29 Euro/Monat
2042 8.398,10 Euro/Monat
2043 8.591,26 Euro/Monat
2044 8.788,86 Euro/Monat
2045 8.991,00 Euro/Monat
2046 9.197,79 Euro/Monat
2047 9.409,34 Euro/Monat
2048 9.625,76 Euro/Monat
2049 9.847,15 Euro/Monat

Sie können also sehen, dass sich innerhalb von etwa 30 Jahren die monatlichen Kosten fast verdoppeln. Wachsen die Einkommen nicht mit den Ausgaben, dann kann keine Familie so viel für das Alter zurückgeegt haben, dass sie Ausgaben wie zu Beginn der Rente haben.

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