2.4.4 Anlageart Edelmetalle

Die Anlageart Edelmetalle erfasst alle Edelmetalle (Abkürzung: EM), die sich grundsätzlich zur Alterssicherung eignen:

  • Gold
  • Silber
  • Platin

sind die am häuftigsten genannten Edelmetalle zur Vermögenssicherung. Der Autor dieser Internetseite erlebt auf EM- Internetseiten regelrecht sektenartiges Beschwören. Illusionäre Gewinnpotenziale werden genauso genannt wie unablässige Beschwörungsformeln zur Anlage in EM.

Gold

Am 14.04.2017 veröffentlichte Eugen Weinberg von der Commerzbank, EM Spezialist, ein ernüchterndes Bild zum Edelmetall Gold: “Der Goldpreis führt meist kein Eigenleben, eigentlich ist Gold ein Derivat auf das Geschehen auf den Finanzmärkten. Der Goldpreis ist dabei genauso wie die Aktien- und Bondmärkte von den gleichen geopolitischen, finanzmarktrelevanten und wirtschaftlichen Faktoren abhängig. Da wären also die Geldpolitik der Notenbanken, Inflation, Risikoaufschläge oder aktuelle Entwicklungen in der Wirtschaft … Seinen Status als Krisenwährung hat Gold also auf jeden Fall inne.” Zu ergänzen wäre, dass der Goldpreis ebenso von politischen Faktoren abhängig ist.

Weinberg betont in diesem Artikel, dass

  1. Gold ein klares Anlageinstrument ist
  2. Gold nicht als Industriemetall angesehen werden sollte (Thema: Wirtschaftsentwicklung und Goldpreis)
  3. Goldpreis Produktionskosten- unabhängig ist (in vielen Foren wird auf die Risikobegrenztheit des Goldpreises wegen der minimalen Produktionskosten hingewiesen)
  4. Goldpreis eine klare Funktion der Gold- Nachfrage ist (Zusatz später)

Zu dem Argument von Weinberg, dass der Goldpreis eine klare Funktion der Gold- Nachfrage ist: es bestehen seit etlichen Jahren Hinweise darauf, teilweise auch klare Rechtsverstöße, dass der Goldpreis manipuliert wird. Das ist keine Verschwörungstheorie, das ist Fakt. Focus schrieb Mitte 2014 einen Artikel “Notenbanken im Verdacht – Von wegen sichere Krisenwährung – So wird der Goldpreis manipuliert” in dem Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt bei der Bremer Landesbank, zitiert wird „Die Manipulation des Goldpreises ist für die Notenbanken ein opportunes Mittel geworden … Der Goldpreis ist ein Krisenbarometer. Notenbanken haben kein Interesse an Krisenstimmungen.“ Argumentativ wird fast alles getan, um gegen den Goldbesitz zu wettern: Sicherheitsrisiko bezüglich Diebstahl, keine Zinsen, Goldbesitzverbot und Zwangsumtausch … Die Politik sieht nicht gern, dass Privatleute physisch Gold besitzen, weil die darauf nur mittels schlimmster Restriktionen keinen Zugriff hat.

Steve St. Angelo weist in einer sehr guten Analyse mit dem Titel “Warum die Zentralbanken den Goldmarkt manipulieren mussten” darauf hin, dass Zentralbanken und der IWF am Markt eingreifen mussten, um das Finanzsystem nicht explodieren zu lassen. Das Argument von Angelo, dass das Ende der Kopplung des US-Dollars an Gold diese Manipulationen erforderlich machte, kann ich nicht akzeptieren, weil wir bei dem Zeitpunkt Ende der Goldbindung 1971, also vor bald 50 Jahren, sprechen. Aus meiner Sicht ist es HEUTE erforderlich den Goldpreis an den Börsen zu beeinflussen, weil es das Papiergold gibt. Angelo sagt selber in einem weiter unten zitierten Artikel, die “Gesamtmenge des an den neun Börsen gehandelten Papiergoldes erreichte im Jahr 2016 243.000 Tonnen”. Unterstellt man, dass es genauso viele Short wie Lang- Positionen an der Börse gibt, dann reden wir immer noch von 112.500 Tonnen Long- Positionen. 112.500 Tonnen Papiergold würde der Goldproduktion von 40,5 Jahren entsprechen und Call (Long)- Derivatebesitzer (Gold-Futures) können die physische Lieferung von Gold verlagen. Wo sollen 112.500 Tonnen, 40,5 Jahre Produktionsvolumen, physisches Gold herkommen? Würde das Papiergold in physisches Gold auf breiter Front umgetauscht, das wäre das Ende des Finanzmarktes! Aus den Gründen, und nur aus diesen Gründen, ist es erforderlich (weil es Goldderivate gibt), dass der Goldpreis an der NY- Börse manipuliert wird. Angelo nennt die Summe an Goldverkäufen zur Manipulation des Goldpreises: 50 Mio Unzen (jede Unze ist ~ 30 Gramm); das klingt nach viel … aber 50 Mio Unzen sind ~ 1,5 Mio Tonnen Gold.

Wikipedia Von Jashuah – Own work by uploader, data from World Gold Council, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=22490853

Woher will Angelo 1,5 Mio Tonnen physisches Gold nehmen, wenn weltweit nur zehntausende Tonnen existieren? Da stimmt etwas in der Argumentation von Angelo nicht. Dass physisches Gold auf den Markt geworfen wurde, um den Goldpreis zu drücken, das ist unbestritten; dass es Institutionen gab und gibt, die nichts anderes machen als zu bewirken, dass sie die Kontrolle über den Goldpreis an der Börse nicht verlieren, das ist unbestritten. Dass es Dimensionen von 1,5 Millionen Tonnen Gold annimmt, das ist mehr als fraglich.

Wenn Weinberg in dem oben genannten Artikel betont, dass Gold- Nachfrage der Auslöser der Goldpreisentwicklung sei, dann widerspricht Hellmeyer dieser Meinung substanziell: nach Hellmeyer ist der Gold- Deritatemarkt das hauptsächlich den Preis beeinflussende Instrument. Dieses ist wiederum davon besonders abhängig, welche Sicherungsleistungen an der NY- Börse für die Ausübung von Gold- Deritaten gefordert werden; ein Absenken der Sicherungsleistungen fördert die Ausübung von  Gold- Deritaten.

Hinzu kommen Preisschwankungen durch institutionelle Nutzung von Computer- Kauf- und Verkaufprogrammen. Mycrosekunden entscheiden über Gewinn oder Verlust von Milliarden Währungseinheiten.

Der “brave” Anleger für die Alterssicherung steht diesen großen Einflussmöglichkeiten hilflos gegenüber: Steve St. Angelo schreibt auf den goldseiten.de “Wie drückt man den physischen Goldpreis? Das ist ziemlich leicht: Man bewirft ihn einfach mit 10 Billionen Papierdollar. Der weltweite Handel mit Papiergold hat im Jahr 2016 nicht nur einen neuen Rekord erreicht, er übertraf das Vorjahr sogar um fast 50% … Die Gesamtmenge des an den neun Börsen gehandelten Papiergoldes erreichte im Jahr 2016 243.000 Tonnen.” Nun sollte man wissen, dass je Jahr rund 3.000 Tonnen Gold gefördert werden; 243.000 Tonnen Papiergold würde der Goldproduktion von 81 Jahren entsprechen – das aber ist das Handelsvolumen an den weltweiten Zockerbörsen. Die Frage von Angelo “Die Frage ist also, was am physischen Goldmarkt passieren würde, wenn ein kleiner Prozentsatz der aufgeputschten Trader anstelle von den Millionen an den Börsen gehandelten Kontrakten physisches Gold kaufen würde” ist reichlich naiv: niemand würde die Goldproduktion von 81 Jahren in einem Jahr kaufen (können). Man kann genau daran sehen, dass Gold zu einem Roulette- Einsatz verkommen ist und damit ist der Goldpreis höchst unsicher.

Wenn wir hier aber über Alterssicherung mittels Goldanlage reden, dann muss deutlich gesagt werden, eine Alterssicherung, die im Bedarfsfalle nicht oder zu weig vorhanden ist, ist eine höchst unseriöse.

Meine persönliche Gold- Risikobewertung: 4. *)

*) Bewertung i.W.

1      sehr geringes Risiko, Retun fast sicher
2     geringes Risiko, Retun mit kleinen Abschlägen fast sicher
3     geringes Risiko, Retun mit etwas mehr als kleinen Abschlägen fast sicher
4     mittleres Risiko, Retun mit etwas größeren Abschlägen fast sicher
5     mittleres Risiko, Retun mit größeren Abschlägen fast sicher
6     mittleres Risiko, Retun mit größeren Abschlägen fast sicher
7     sehr hohes Risiko, große Verluste fast sicher
8     sehr hohes Risiko, sehr große Verluste fast sicher
9     sehr hohes Risiko, Totalverlust fast sicher
10   sehr hohes Risiko, Totalverlust sicher

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